Save the date: Di. 16.09.14 Inselstadt Gartenfeld _ Startup City für Unternehmens- und Familiengründer

Am kommenden Dienstag nehme ich an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Inselstadt Gartenfeld teil.

K@belwerk G@rtenfeld
Von der Elektropolis zur Digitopolis
Berlin entwickelt sich heute zum wichtigsten Internet-Standort Europas.
Standortvorteile sind niedrige Gewerbemieten und die günstige „Work-Life-
Balance“ von Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit. Diese Berliner Mi-
schung bieten die Gründerzeit-Stadtteile mit Geschossbauten und Hinter-
höfen, einstigen Fabriken und Brauereien. Mit dem Aufschwung Berlins und
wachsendem Zuzug geraten diese innerstädtischen Quartiere unter Aufwer-
tungsdruck, der die Spielräume der Kreativwirtschaft einengt. Er lenkt den
Blick auf noch unentdeckte Zukunftsorte an der Peripherie der Berliner In-
nenstadt wie das ehemalige Kabelwerk Gartenfeld in Spandau. Die Modemesse
Bread & Butter gastierte 2003-2007 in den historischen Hallen und öffnete
den Blick für neue Nutzungsperspektiven. Jetzt soll als städtebauliches
Pilotprojekt ein modernes Stadtquartier in Berliner Mischung entstehen,
die „Inselstadt Gartenfeld _ Startup City für Unternehmens- und Familien-
gründer“.

11 – 12.30 Uhr

Ortsbesichtigung

Busrundfahrt mit Besichtigung und Vorstellung:

- 5geschossiges „Startup Labor“ für Digital- und Kreativwirtschaft

- Hallen für Industrie, Handwerk und Technologie

- Industriedenkmäler: historisches Heizwerk, Kabelhalle mit Kreuzgang
und „Kabelkathedrale“

- Blick von Krangondel über Werksgelände, Tegeler See und Forst

12.30 – 13 Uhr

Präsentation

Pläne und Modell der Inselstadt Gartenfeld

Martin Menrad, Geschäftsführer PROPOS GmbH

13 Uhr

Diskussion

Frage- und Diskussionsrunde mit:

Carsten Röding, Baustadtrat Spandau

Andreas Gebhard, Multi-Preneur und Gründer, Veranstalter “re:publica”

Martin Menrad, Geschäftsführer PROPOS GmbH

Jens Schönwetter, IFM Inselstadt Facility Management GmbH

Moderation: Andreas Krüger, belius GmbH

Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und
Raumordnung 1995-2009

Die Teilnahme ist kostenlos.
Um Anmeldung wird gebeten: Stichwort: Gartenfeld an
info@architekturpreis-berlin.de.

4531 Kilometer durch Europa – Eine Workation Bustour von Berlin nach Thessaloniki

Nach vielen Monaten der Vorbereitung geht das Projekt 4531km.eu endlich richtig los! Am 29. September 2014 startet die erste Nightliner Bustour von Berliner Kreativen durch 8 Länder und 8 Städte.
Zusammen mit Claudia Brückner habe ich dieses Konzept am Anfang des Jahres entwickelt und wir können es nun mit der Hilfe des Medien Innovationszentrums Babelsberg (MIZ) realisieren UND ihr könnt alle dabei sein!!!

Auf der Webseite werden wir nicht nur ausgiebig Bloggen, sondern wir haben auch ein WordPress-Plugin entwickelt, welches euch in nahezu Echtzeit anzeigt wo wir sind und alle Social Media Aktivitäten von den TourteilnehmerInnen sammelt und darstellt. Los geht’s mit unserer Abschiedsparty am Abend des 28. September (Sonntag).

Besonders glücklich sind wir mit der Gruppe von MitfahrerInnen. Die Idee war einfach: wir sammeln uns bekannte, aber bislang nicht so dolle befreundete Leute mit spannenden Hintergründen in der Kreativszene und fragen sie, ob sie nicht an dieser Bustour teilnehmen wollen. Auf der Tour haben wir einfach mal Zeit miteinander als nur mal so auf nen Kaffee oder ein Bier. Wir erhoffen uns daraus neue Projektideen und spannende Diskussion. Herausgekommen ist diese Spitzengruppe!

All Gespräche mit Projekten, Unternehmen und Kreativen vor Ort sollen auch eine Sammlung von Ansichten zu Europa sein. Wir sind neugierig auf die Städte, die Menschen und Aktivitäten. Die Tour ist also ein einzigartiges Labor für EntdeckerInnen und Entdeckungen! Haltet Euch also auf dem laufenden auf unserer Webseite, auf Facebook oder Twitter. Am 29. geht’s los und wir sind alle schon ganz aufgeregt….

Plötzlich finden es alle gut – Berlin Festival nicht mehr in Tempelhof

Lustig. Seit heute ist es öffentlich: das Berlin Festival ist auf dem Gelände des Flughafen Tempelhof Geschichte. Nun, als Besucher einiger der Produktionen und als Mitveranstalter einer der Berlin Music Week zugeordneten Veranstaltung vor einigen Jahren muss ich schon sagen: hä? Nun sind sich alle einig: der Standort war falsch. Dabei liegen die wirklichen Probleme dieses für Berlin augenscheinlich so wichtigen Festivals doch wo ganz anders.
Aber fangen wir mit den aktuellen Zitaten an: Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei beschäftigt sich in seinem Zitat in der Morgenpost mit dem Setup eines Festivals insgesamt:

“Für eine besondere Festivalatmosphäre muss man im Schlafzelt übernachten können, und die Lautstärke darf keine Rolle spielen”

Oder

“Es gibt bessere Plätze für Konzerte als ein nacktes Rollfeld”

, sagt Björn Döring, Chef der Berlin Music Week. Und

“er sei glücklich”

. Alle sind also glücklich, inklusive der Veranstalter selber und

“in der Bewertung sind sich nun – auf einmal – alle einig, hat sich [Der Flughafen] als Musikstandort nicht bewährt.”

Leider verdeckt diese Lesart völlig den Blick auf die wahren Gründe dieses Scheiterns: Das Festival in der durchgeführten Form war zu kommerziell, zu langweilig vom Line-Up, zu teuer, eher seelenlos und vor allem: kein Aushängeschild für Berlin! Wer nun versucht den Standort Tempelhof als Musikort zu dikreditieren befindet sich in guter Gesellschaft, denn das hatten wir schon Mal 2010.
Es steht doch eher zu vermuten, dass das Gebäude Investorenready gemacht werden soll.
Schade eigentlich, denn den Versuch ein wirkliches Festival der Berliner Sub- und Musikkultur auf dem Gelände zu veranstalten hat keiner versucht.

Vom Patchwork zum Mosaik – Eine subjektive Analyse der urbanen Entwicklungsmöglichkeiten Detroits

So dezentrale und unübersichtlich wie die Strukturen des „Newdetroit“ sind auch die Perspektiven auf die Stadt und ihre Entwicklungspotenziale. Hier steht exemplarisch das Silo-denken des 20. Jahrhunderts mit Fordismus und Automobilität gegen das Patchwork der Crowd- und Communityökonomie des 21. Jahrhunderts.
Die Highways, die riesigen und rissigen Straßen, verknüpfen zwar die neuen Orte der Kreativszene, sie vermögen es aber nicht diese wirklich miteinander zu verbinden. Die Distanz bleibt trotz des ähnlichen Grooves der Projekte eines der größten Probleme. Dies ist in der Stadtstruktur begründet, die außer einem stark eingeschränkten Bussystem und dem „Peoplemover“ keinen Nahverkehr kennt. Matthias Heumeier beschreibt diese in seiner Arbeit „Urbane Transformation: Formen der Raumartikulation in Detroit“ als Wirklichkeitsmanipulator Auto:

„Die Stadt ist in einer kognitiven Schleife gefangen, in der sie aus der motorisierten Wahrnehmungseinstellung des Autofahrers zu einem Nicht-Ort (vgl. Augè 1994), einem Ort des Transits und der Durchreise verkommt. Konsummöglichkeiten gibt es häufig nur entlang der Straße, wer sich willkürlich von den Verkehrsachsen entfernt, begibt sich auf unsicheres Terrain. Die Fahrgeschwindigkeit erzeugt eine Art Schutzschild (Feldnotizbuch: 61), Orte an denen die Geschwindigkeit reduziert wird, an denen Pendler ihre Transportkapseln verlassen und einen Fuß in die Stadt setzen (Tankstellen, Ampeln, usw.), werden zu Orten von Skepsis und Angst.
Wer nicht auf der Suche nach etwas Bestimmten ist oder den Kick als Identifikationsangebot benötigt („I’m so bad, I party in Detroit“, vgl. Herron 2004), hat wenig Gründe sich in der Stadt aufzuhalten. Highways, deren Erbauung überdies vibrierende Wohnviertel zum Opfer fielen, steigern diese Eigenschaft, indem sie die Reisezeit weiter verkürzen und die Wahrnehmung von Zeit und Raum verzerren. Sie rücken die Peripherie noch dichter an das Zentrum und sind, obwohl sie die Stadt unmittelbar durchdringen, am wenigsten Teil von ihr. Bei 70 mph schirmen die Fahrzeuge ihre Insassen mit maximaler Isolationskraft von der Außenwelt ab.
Die fehlende Bewegung abseits der Hauptstraßen und Highways degradiert weite Teile der Stadt zu einem Transitraum, aus der Wahrnehmung Detroits aus dem heraus Auto entsteht der Eindruck einer entleerten Stadt.
Das Auto ist in dieser Hinsicht auf doppelte Weise an der Transformation von Stadt beteiligt: Einmal auf der performativen Ebene, insofern als dass es Verkehr und Bewegung auf bestimmte Teile der Stadt konzentriert, andererseits aber auch als Wahrnehmungsmanipulator, dessen Benutzung zu einem kognitiv verzerrten Stadtbild führt.“

Downtown Detroit mit seinen Wolkenkratzern bildet nur ca. 4% der Gesamtfläche der Stadt. Detroit erscheint also als nicht begehbare Stadt. Wer nicht mit dem Auto fahren kann, ist auf das löchrige und immer weiter gekürzte Bussystem angewiesen. Und die Hipster fahren mit dem Rad. Der Peoplemover ist ein schlechter ÖPNV-Witz, denn er fährt zwar, zum einen aber im Kreis und dies nur wenige Meilen und zum anderen, weil er gerade an der einzigen Stelle – in Downtown, an der Laufen und miteinander in Kontakt kommen möglich ist – die Menschen hiervon abhält. Eine wirkliche und nachhaltige Verbesserung der Nahverkehrsstrukturen wird es nur geben, wenn die lange geplanten Straßenbahnlinien endlich gebaut werden und darüber hinaus noch viele Bahnlinien mehr.
Die Probleme werden jedeR DetroitbesucherIn spätestens am Flughafen bewusst. Es gibt keine Zugverbindung zur Innenstadt. Mit dem Bus dauert es mit Umsteigen mehr als 2 Stunden in die Innenstadt (22 Meilen!). So muss man mit dem Taxi oder Shuttle fahren. Günstigste Variante $50,-.
Hintergrund meiner Reise nach Detroit war die Einladung von Dimitri Hegemann an einer Veranstaltung im MOCAD teilzunehmen. Der Hintergrund der Story beginnt mit dieser einfachen Gleichung: Berlin hatte in den Anfang 90iger Jahren viel Kaputtes und Freiraum. Gleiches gilt heute (und schon so lange) für Detroit. In diesen Tagen des ausgehenden 20. Jahrhunderts war es dann eine bestimmte Sorte Musik, die in Berlin für sehr viel Aufmerksamkeit und noch mehr Partyspaß gesorgt hat: Techno. Speziell auch aus Detroit. Heute nun, mehr als 20 Jahre später, hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin prächtig entwickelt. Und Detroit? Dort sind die Strukturen für Kreativität zwar besser geworden. Aber irgendwie macht sich bei einem Besuch doch das Gefühl von Stillstand breit, der überwunden werden kann. Hier setzte nun die Delegationsreise an, an der neben mir noch ca. 10 weitere Personen teilgenommen haben. „Detroit-Berlin Connection – Conference for Subcultural Exchange and Urban Development“ war der etwas großspurige Titel für einen halbtägige Veranstaltung mit Kurzpräsentationen und einer sehr spannenden Podiumsdiskussion. Eine gute Zusammenfassung dieser Veranstaltung hat Walter Wasacz, einer unserer Ansprechpartner vor Ort verfasst.

Wir BerlinerInnen waren uns alle einige, dass es eine gefühlte Achse Berlin Detroit gibt, die aus dieser langen musikalischen Verbundenheit herrührt. Das führte zu einigen ergreifenden Momenten bei der Paneldiskussion, in der man diese Verbundenheit fast körperlich spüren konnte. Allen war klar: wir wollen etwas zurückgeben für die tollen Entwicklungsmöglichkeiten, die Berlin durch die Musik aus Detroit bekommen hat. In den nächsten Monaten wollen wir und auch ich daran arbeiten, wie dies funktionieren kann. Ein Interview, das ich der Berliner Zeitung gegeben habe, weist schon in eine Richtung: Darin fordere ich u.a. eine Diskussion über eine Städtepartnerschaft Detroit Berlin.
Wie jede Delegationsreise tauchen auch bei dieser Fragen auf. Einige Fragen sich: „Wer hat das bezahlt?“ (wir selber!) andere: „Was sind die Resultate?“. Letzteres ist schon nicht mehr so eindeutig zu beantworten, denn in nur einer Woche und mit dem eher exklusiven Zugang zu Personen und Orten ist eine objektive Übersicht erst einmal schwierig. Natürlich die Besuche an der Packard Fabrik („Architekt war wiederum Albert Kahn. Dieses Gebäude Nr. 10 gilt als weltweit erste Fabrik in Eisenbeton-Bauweise. Kahn revolutionierte damit die Konstruktion von Fabriken und Produktionsbetrieben.[30]“), die seit den 60er Jahren stillgelegt ist; beim Heidelberg Project oder im hippen neuen Restaurant Craft Work waren beeindruckend. Ob im Tech Shop, im viel zitierten Ponyride, der Detroitrevitalisierungslegende Phil Cooley, beim Movement Festival, bei der Tech Week, der Feier, die ich zu meinem Geburtstag aufgesucht habe, bei der Carl Craig (Carl Craig returns to Motor City Wine for an intimate performance) @Motorcitywine aufgelegt hat oder beim Brunch mit Jeff Mills, Mike Banks und vielen anderen – Eindrücke und spezielle Perspektiven allenthalben. Natürlich umrahmt von der allgegenwärtigen zerstörten Struktur der Stadt, wie man sie aus unzähligen Dokumentationen kennt oder aus dem Jim Jarmusch Film: „Only Lovers Left Alive“.

Was bleibt? Erstmal die große Herzlichkeit, mit der wir aufgenommen worden sind. Das verstörende Gefühl nicht zu wissen wo man anfangen soll die verschiedenen Perspektiven auf diese Stadt aufzuzählen. Der Umfang einer zeitgemäßen Erzählung über das heutige Detroit geht auf jeden Fall weit über die umfangreichen, aber oft oberflächlichen, Betrachtungen in den Medien hinaus. Es schient, als gäbe es dutzende Zugänge zu dieser Stadt. Für einen Einstieg kann man sicher den Artikel von Tina Kaiser nutzen „Nach der Pleite erobern Hipster Detroit für sich” oder Bilder von Josef Cramer doch bleiben diese an der Oberfläche.

Was fehlt ist die integrierte Story, die positive Erzählung des amerikanischen „Comeback Kid“ Detroit, die im besten Sinne alle Perspektiven beinhaltet. Die allgegenwärtigen Segregation, die mich zu der Vermutung geführt hat, dass die schwarze Bürgerrechtsbewegung der 60er und 70er Jahre an Detroit vorbeigegangen sein muss, die Leere und Größe des Raums und damit alle Mobilitäts- und städtebaulichen Aspekte. Aber auch die Rolle von Staat und Kirche in der Stadt: „28 Jahre Haft für den Ex-Bürgermeister von Detroit“ müssen berücksichtigt werden. Die hohe Kriminalitätsrate, die seit den 60er Jahren einsam die US-Mordrangliste anführt, aber innere Ursachen zu haben scheint in dem fordistischen-amerikanischen Traum. Oder gibt es vielleicht diesen Zusammenhang: Wenn sich alle in ihrem Auto verbarrikadieren, dann sinkt die Hemmschwelle für gewaltsame Reaktion auf Nichtigkeiten rapide?
Die Kultur der Improvisation in der Stadt, der aktuelle Boom der Start-Up-Kultur oder die vielen Grassroot-Projekte, die über die Stadt verteilt sind, prägen weitere Perspektiven. Und natürlich die Musik, ob Jazz, Motown oder Detroit Techno – sie kommen viel zu wenige vor in der Narration Detroit.
Erst wenn die Patches des Flickenteppichs in der Stadt zu einem zusammenhängenden Mosaik werden und mehr Menschen von Außen die Stadt erleben und lieben lernen, können substanzielle Fortschritte erzielt werden. Es ist ein langer Weg auf den wir uns gemacht haben, aber um die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen, braucht man einen langen Atem. Happy Locals fallen nicht vom Himmel, aber ein Direktflug von Berlin nach Detroit wäre schon mal ein Anfang: Herr Mehdorn übernehmen sie (sic!).

Mitgedacht bei: “Die Sache mit Silicon Valley und Europa”

Werde mal dem Aufruf von Nico Lumma folgen und einige Punkte ergänzen:

Man kann es für einen tollen Schachzug der SXSW halten, zum ersten Mal genau auf den Termin der CeBIT zu gehen, bzw es für eine besonders unvorsichtige Aktion der CeBIT halten diesen Termin zu nutzen (dabei ist es unerheblich wer zuerst geplant / verkündet hat) – fest steht, so schlecht stand der Hannoverevent noch nie da (was Nico sagt). Wahrscheinlich ist die Terminwahl eh nur Zufall. Mir erscheint der Vergleich der beiden nicht Millionenmetropolen (Hannover +- 500k, Austin +-800k) und ihrer Leitevents nur in geringem Maße aussagekräftig, denn in Austin ging es immer um Kulturindustrie (Film, Musik, Interactiv) und in Hannover ging es immer um Mittelstand und Industrie IT.

Beide “Welten”, die deutsche Start-Up-Kultur und das Silicon Valley, miteinander zu vergleichen ist mittlerweile eine der langweiligsten Dinge über die man sprechen kann. Nicos Ansatz, auf die EU zu schauen und hier nach Ressourcen zu suchen, um Internet-Hightechunternehmen zu entwickeln halte ich für aussichtsreicher. Dabei fehlt mir aber ein wirklich entscheidender Ansatz: es geht eigentlich immer nur um die schnell skalierenden Businessmodelle und nicht um die gesamte Infrastruktur drumherum. Es geht nicht um die Anhäufung von genug schöpferischen Potenzial oder die Anziehungskraft von Metropolen (wenn man hier Austin und Hannover vergleicht…). Berlin hat in Deutschland vielleicht einen riesigen Anteil an VC-Invests. Gegenüber Investitionen im Valley kann das nur ein marginaler Bruchteil sein (Wer das mal ausrechnen oder verlinken mag…). Der Punkt ist doch ein anderer:

Elisabeth Oberndorfer, deutschsprachige Techjournalistin im Valley fasst das gut zusammen in ihrem Artikel ‘Was ich in einem Jahr in San Francisco gelernt habe’: Europäer blicken in Schockstarre in den Westen und warten darauf, dass Silicon Valley ein Geschäftsmodell entdeckt, das Erfolg garantiert (“Looking at you, Medienbranche”). Das gibt es jedoch in keiner Industrie. Monetarisierung spielt in Tech-Unternehmen erst in einer späteren Phase eine Rolle. Und ist es soweit, funktionieren unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Unternehmen. Kombinieren, variieren, experimentieren und bei Misserfolg noch einmal von vorne anfangen, ist wohl die einzige Methode, die man hier als Erfolgsmodell bezeichnen kann.”

Das ist für mich der zentrale Punkt (Frag mal Soundcloud, fast ein Wunder, dass es sie noch gibt), es geht in Deutschland sofort um die Verwertbarkeit im Rahmen der Start-Up-Finanzierung und nicht um die Idee und ihre Potenziale. Deshalb hängen in Deutschland auch immer die gleichen Leute auf den relevanten Events und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Große Unternehmen geben Brosamen für eine Menge Anteile an einer Idee die ihnen auf dem Silbertablett in regelmäßigen Abständen gepitcht wird.

Wenn wir unsere Internetwirtschaft also wirklich auf globales Niveau bringen wollen, bringt es nix, einem Zug der schon ewig abgefahren ist nachzulaufen. Wir brauchen ein Sofortprogramm mit öffentlichen und privaten Mitteln finanziert, aus dem Risikobereitschaft und Innovation finanziert werden kann. Die EU macht da ja erste Schritte in der Vereinfachung der Förderung. Viel wichtiger ist aber, dass unsere GründerInnen nicht nur dem Start-Up-Paradigma folgen und an jeder Ecke der coole VC finanzierten Unternehmern gehuldigt wird. Hier werden Rollenmodelle entwickelt, die eine verlorene Generation nachsichziehen können (und nebenbei einen Braindrain bei anderen lokalen Firmen auslösen).

Europa, Deutschland, Berlin oder Hamburg – alle setzen auf ein Paradigma und händigen ihre Ideen über kurz oder lang internationalen Investorengruppen aus (Frag mal bei der Noah nach, wo die dreistelligen Millionenbeträge der VC-Fonds herkommen).

Solange öffentliche Mittel in der Forschungsbürokratie, bei Standortinitiativen oder in selbstgestrickten VC-Instrumenten untergehen werden wir keinen GründerInnenfrühling bekommen sondern weiter im Dunklen sitzen. Aber wie schon Rio Reiser sang: “Wenn die Nacht am tiefsten …

Und ja, es braucht noch viele weitere Ergänzungen …

Idea Sheet – Wie sammeln, teilen und dokumentieren wir unsere Ideen?

Schon immer plage ich mich mit der Frage: wie kann ich Ideen, die ich habe oder gemeinsam mit anderen entwickele – einfach, übersichtlich und realistisch – aufschreiben und dokumentieren?

Man kennt das, wieder eine tolle Idee für ein Projekt, ein Problem was man erkennt und reparieren könnte oder eine Funktion, die jeder doch auch benötigt. Runterschreiben, skizzieren, eine Mindmap oder gleich einen Businessplan aufstellen – nur so bringt man die Idee zum leben. Aber dann tauchen viele Fragen auf: Wem soll ich davon erzählen? Mit welcher Innovationshöhe [sic!] und in welchem Umfang?!

EINE, Lösung für diese Fragen kann gleich beim Skizzieren der Idee gefunden werden: das Idea Sheet. Zusammen mit Claudia Brückner habe ich diesen Leitfaden in den letzten Wochen entwickelt.

Auf zwei Seiten kann eine Idee formuliert und kategorisiert werden. Mit dem Ergebnis könnt Ihr auf einer übersichtlichen Basis weitere Schritte kalkulieren und ermöglicht eine gewisse Vergleichbarkeit eurer Ideen.

Wir sind an Eurem Feedback interessiert!

Das Idea Sheet ist unter der CC BY-SA 4.0 erschienen. Ihr könnt es also teilen, verwenden und ändern. IDEA SHEET_beta Version_29Jan2014

Trauernd, aber voller schöner Erinnerungen, nehmen wir Abschied von einem lieben Menschen.

 

Jeder, der ihn kannte, möge ihn in guter Erinnerung behalten.

Johannes Gebhard

15. Mai 1947 -  14. Oktober 2013

Helga, Julia, Andreas, Michael sowie Familie und Freunde.

Urnenbeisetzung am  31. Oktober 2013 um 10:00 Uhr, Friedhof Stolberg, Bergstraße.

Auf Wunsch des Verstorbenen bitten wir anstelle Zugedachter Blumen und Kränzen um eine Spende an den Förderverein “Menschenskind” e. V., 52222 Stolberg, Sendenkonto 180 1539 bei der Sparkasse Aachen (BLZ 390 500 00) Kennwort: Johannes Gebhard

 

What’s next?

Seit vor einigen Wochen angekündigt wurde, dass ich nach zehn Jahre newthinking Geschäftsführung ab dem 01. Januar 2014 neue Wege gehen werde, sind einige Fragen aufgekommen die, ich hier gern mal gesammelt beantworten möchte.

“Steigst Du bei newthinking aus?”

Nein, ich werde weiterhin Gesellschafter der newthinking communications GmbH, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat, bleiben.

“Arbeitest du dann nicht mehr für newthinking?”

Doch! Ich bleibe weiter im Team und werde als freier Berater für Projekte zur Verfügung stehen. Außerdem werde ich newthinking natürlich weiterhin mit meinem Netzwerk und Kontakten zur unterstützen.

“Habt ihr euch gestritten?”

Nein, ich habe für mich erkannt, dass die Strukturen von newthinking nun soweit entwickelt sind, dass ich nicht zwingend weiter die Geschäftsführung machen muss. Meine GesellschafterkollegInnen haben dafür volles Verständnis (nach den vielen Jahren). Außerdem kann auch frischer Wind an der Spitze des Unternehmens produktiv für seine Entwicklung sein. Alles gut!

“Was ändert sich für newthinking?”

Sicher so einiges! Zunächst wird die Umstellung auf zwei GeschäftsführerInnen eine neue Struktur nötig machen. Mit Jule Gemählich und Christian Müller haben wir zwei tolle neue Leute an der Spitze. Jule wird die Events federführend verantworten und Christian die IT-Projekte. Gemeinsam werden sie die Beratungs- und Verlagsprojekte betreuen. Bei Finanzen und Controlling wird es nicht viel Veränderung geben, denn Chris war schon in den letzten Jahren eine zentrale Stütze bei dieser Arbeit. Ohne ihn wäre das nicht gegangen. Klar ist, dass sich nach so vielen Jahren “meiner Handschrift” einiges anders anfühlen wird. Ich glaube jedoch, dass für das Unternehmen, seine Projekte, KundenInnen und MitarbeiterInnen tolle neue Impulse entstehen werden – darauf freue ich mich!

“Was machst du jetzt?”

Zunächst mache ich ja viele Dinge weiter. Ich bleibe Geschäftsführer der republica GmbH, der Job macht viel Spaß und ich glaube für die #rp14 können wir uns auf einige wilde neue Sachen freuen! Mehr dazu im November. Auch meine Beteiligungen an Unternehmen wie iTHINKi, meine Gremienjobs wie Aufsichtsratsmitglied bei Tennis Borussia Berlin oder Finanzer bei netzpolitik e. V. werde ich weiter führen. Auch die diversen Ehrenämter z. B. beim Investors’ Dinner, bei der IHK und all2gethernow werde ich weiter machen.

“Was sind deine neuen Projekte & Ideen?”

Natürlich möchte ich nicht nur meine Arbeitsbelastung etwas reduzieren. Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass ich gern wieder mehr inhaltlich arbeiten möchte. Das kann als Berater sein, in Think Tanks oder bei der Unterstützung junger UnternehmerInnen. Auch die internationalen Projekte, die ich in den letzten Jahren begleiten konnte, reizen mich. Es gibt also nicht “Das neue Projekt”. Aber wie ich mich kenne, kann sich das auch schnell ändern …. ich bin gespannt.

“Hast du dann ein neues Büro?”

Erstmal nicht. Ich werde flexibler Arbeiten. Von daheim, Co-Working oder bei newthinking.

 

Ich freue mich auf das bisschen neue Freiheit und werde an neuen Ideen basteln. Ihr könnt mich also gern ansprechen!! Habt ihr noch weitere Fragen?

Berlin goes Thessaloniki

Erfahrungsbericht über die Kultur- und Kreativwirtschaft im griechischen Thessaloniki

Zwischen dem 02. – 07. Oktober 2013 war ich zusammen mit fast 20 Akteuren der Berliner Musik- und Kreativszene auf einer Delegationreise an der Bucht von Thessaloniki. Die zweitgrößte Stadt Griechenlands, ganz im Norden in Makedonien gelegen, hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Die politische Situation in der Region war mir vor dem Besuch nicht wirklich bekannt. Über die Spannungen und die Konflikte in der Region kann man Bücher schreiben. Deshalb klammere ich das mal aus. Klar ist, dass hier seit Jahrtausenden (sic!) unterschiedlicheste Einflüsse unterwegs waren.

Mal gehörte Thessaloniki zum Osmanischen Reich, dann zu Griechenland, zu Bulgarien … wer dazu mehr wissen will, sollte einfach mal bei der Wikipedia nachlesen. Die Vielfalt der Einflüsse in die Architektur der Stadt (zumindest da wo die 60er und 70er Bausünden nicht die alten Gebäude und Strukturen zerstört haben) ist sehr groß.

Über die Geschichte der letzten 30-40 Jahre, die viel mit Korruption und Vetternwirtschaft zu tun hat, haben wir bei unserem Besuch einiges erfahren. Die Poltik- und Staatsverdrossenheit vieler Leute die wir bei unserer Reise getroffen haben mag daraus resultieren. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt wurde unlängst zu lebenslanger Haft verurteilt!

Die Stadt ist also ein Spiegelbild der griechischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Welche Auswirkungen diese Rahmenbedingungen auf die Kulturszene in der Stadt haben war eine neue Erfahrung für mich – aber dazu später mehr. Ich war zunächst mal erfreut, dass ich an dieser Reise teilnehmen durfte, da ich schon mal vor ca. 5-6 Jahren vor Ort in Thessa war und die Stadt in guter Erinnerung behalten habe. Irgendwas ist da, was sehr attraktiv auf mich gewirkt hat und Anfang Oktober 2013 auch wieder so auf mich wirkte. Mein aktueller Eindruck war, das sich auf den ersten Blick nicht viel verändert hat. Die Lokale an der Uferpromenade sind weiterhin extrem teuer, der Mix aus überwiegend grauen Platten/Funktionsbauten mit (teil-)verfallenen älternen Gebäuden und den Bauruinen der Jahrhunderte – ein morbider Charme der viel Leerstand und somit auch viel kulturelles Entwicklungspotenzial beinhaltet.

Kern unseres Besuchs war eine zweitägige Konferenz der Konrad Adenauer Stiftung in den Räumen des Goethe Instituts Thessaloniki. Die Planung der Reise oblag der Berliner Club Commission und einigen anderen Partnern. Das Berliner Projektbüro wurde durch die WOMEX geleitet. Die Delegationsreise wurde durch die Adenauer Stiftung finanziell unterstützt (vielen Dank dafür) und war der Gegenbesuch der BerlinerInnen in Griechenland. Die Gruppe aus Thessaloniki war im Juni 2013 in Berlin gewesen und hatte hier bei uns ein umfangreiches Programm der Berliner Kulturszene vermittelt bekommen. Dafür haben sie sich in Thessaloniki mit einem auch sehr ambitionierten Programm revangiert. Meist zwischen 10 Uhr am Morgen bis 1-2 Uhr in der Nacht reihte sich ein Programmpunkt an den anderen und wir hatten kaum Zeit um Luft zu holen, geschweige denn, umfangreich über das gehörte zu reflektieren. Deshalb möchte ich in diesem ersten Beitrag zum Thema versuchen einige meiner Eindrücke zu vermitteln, damit die Zusammenarbeit in der Zukunft von möglichst guten Voraussetzungen ausgeht! Klar ist aber, dass sehr viele Aspekte und Diskussionsthemen einer eigenen Betrachtung bedürfen und ich hoffe, dass ich diese Texte auch noch schreiben werde.

Nach der Anreise am 02. Oktober wurden wir direkt von den Projektpartnern am Flughafen mit einem Bus abgeholt. Auf dem Weg in die Innenstadt war schon ein erstes Highlight für uns vorbereitet. Wir wurden im lokalen Radio durch Christos Portokaloglou nametlich und auf griechisch begrüßt und wir konnten das im Bus im Radio hören: Nice! Kaum in der Innenstadt angekommen stand zunächst ein Mittagessen auf dem Plan – dauer ca. zwei Stunden. Nach einer kurzen Pause im Hotel besuchten wir die sehr prominent im Hafen gelegene Kitchen Bar, eine große und stylische Location mit einem tollen Blick über die gesamt Bucht von Thessaloniki. Die Bar ist das Highlight auf dieser Landzunge am Hafen der Stadt. Diese Lage und die tolle Location lassen sich die Macher auch gut bezahlen vom Gast, ein 0,4l Bier kostet dort 5,80,- EUR.

Nächste Station war das Rathaus der Stadt auf der anderen Seite der Innenstadt. Eine Aufführung stand auf dem Plan, die sich in dem sehr modernen Gebäude, für uns aber nicht besonders erschlossen hat, denn sie war eher auch eine Performance in griechischer Sprache. Nach einem Abendessen war dann weit nach Mitternacht Ende mit dem ersten Tag.

Die Konferenz startet dann am Donnerstag, den 03. Oktober um 10 Uhr im Goethe Institut. Naja, sollte sie zumindest, denn bis es wirklich losging war es fast 11. Der Tag eins der Konferenz war gegliedert in fünf Paneldiskussionen. Nach den Begrüßungsreden berichteten einige aus der Berliner Delegation über den Stand des Projektes ‘ThessBerlin2021′, unter dem das Vernetzungsprojekt zwischen der Musik- und Kreativwirtschaft in Berlin und Thessaloniki betrieben wird, über den Stand der Vernetzung und den bisherigen gemeinsamen Aktionen. Es gab also eine Rückschau auf den Besuch der GriechInnen bei uns in Berlin und Berichte u. a. der Berlin Music Commission. Dabei wurde nochmal deutlich, dass unser Besuch auch dazu dienen sollte, mit Beispielen aus Berlin wie der BMC, den Freunden in Thessaloniki Hilfestellungen bei der lokalen Organisation ihrer Szene zu geben. Bei nahezu jeder Diskussion der Konferenz wurde klar: die Fronten zwischen den Musik und Kreativschaffenden und der Politik sind sehr verhärtet. Es kam häufig zu Wortgefechten zwischen den Vertretern der Politik und Verwaltung (die sich alle sehr positiv auf die Branche bezogen haben und auch unterstützend tätig waren – u a. bei der Vorbereitung der Konferenz) und den MacherInnen aus der Kreativszene. Mehr als deutlich wurden die Vorurteile der Kreativen gegenüber der Politik – was sicher auch eine Berechtigung hat – aber eher nach hinten gerichtet erschien. Es mangelt also an vielen Stellen an Vertrauen und gegenseitigem Respekt bzw. der Abstraktion sich in den anderen hinein zu versetzen. Das ist sicher nachvollziehbar, aber nicht besonders konstruktiv wenn es um zukünftige gemeinsame Aktivitäten geht.

Ich durfte auf der Konferenz zwei Panels moderieren. Interessant daran war, dass der Begriff „Moderation“ schon sehr unterschiedlich interpretiert wurde von den griechischen und deutschen TeilnehmerInnen. Denn wo sich die griechische Seite eher um die Ansage der Rednerinnen und Redner bemühte, sah ich meine Aufgabe eher im kritischen Nachfragen und zusammenfassen. Das sorgte schon für einige Verwirrung, wenn ich zum Beispiel einen Griechen einfach mal unterbrochen habe. „Meine“ Themen waren „Europäische Fördermittelprogramme“ und „Tourismus und Festivals / Konzert“. Bei letzterem wurde besonders deutlich, wo die Probleme der Stadt liegen. Nach einem interessanten Vortrag von Anastasis Diolantzis vom Reworks Festival ereignete sich ein besonderes „Schmankerl“ über die Kommunikationskultur in der Stadt. Anastasis berichtet über Schwierigkeiten bei der Organisation des Festival. So fand am selben Tag von Reworks ein Autofreier-Tag in der Stadt statt. Das führte bei der Organisation des Events zu großen Problemen, da die Stadt mit dem Auto nicht benutzbar war. Eine bessere Abstimmung zwischen den Veranstaltern hätte bestimmt dazu geführt, dass beide Seiten eine Lösung für das Problem hätten finden können. (Grundsätzlich würde ich sagen, dass weniger Autos der Stadt sehr gut tun würden…) Einen besonderen Spin bekam dieses Beispiel jedoch dadurch, dass zum Ende des Panels der Bürgermeister Giannis Boutariszu seinem Grußwort erschien. Er bezog sich drin auf die wichtige Rolle der Beziehung zu Berlin, aber auch auf lokale Kulturprojekte. Außerdem, jetzt kommt’s, führte er ein prestige Projekt der letzten Zeit an, nämlich, dass aus der Mitte der Bevölkerung der Wunsch nach einem Autofreien-Tag gekommen sei. Diesen umzusetzen sei ein Zeichen von Bürgerbeteiligung und einer Zeitenwende in der Stadt. Die Reaktionen im Publikum (ich konnte ja alle sehe, da ich auf dem Panel saß), waren wirklich bemerkenswert. Auch Anastasis wäre fast vom Stuhl gefallen. Dieser Zufall (Boutaris konnte ja von der Diskussion im Raum vorher nichts wissen), war sowas wie eine symptomatische Blaupause der Beziehungen zwischen der Politik, der Verwaltung und den Kulturschaffenden. Dazu kommt noch ein deutlicher Generationenkonflikt innerhalb der Kulturszene. Denn klar ist, wenn man seit 20 Jahren kreative Arbeit in Thessaloniki macht hat man natürlich einen komplett anderen Blick auf die Dinge als wenn man sehr viel jünger ist und durch die aktuelle Krise mehr geprägt wurde.

Auf der Konferenz durfte ich auch noch einen kleinen Vortrag halten. Unter dem (etwas sperrigen) Titel „Digitale Gesellschaft – Plattform für kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung – Thesen zum selbstbestimmten Unternehmertum “ habe ich einige Erfahrungen aus meiner Arbeit geschildert. Das Feedback dazu war sehr positiv und hat einige Anknüpfungspunkte für eine zukunftige Zusammenarbeit geliefert. U. a. lernte ich dadurch die Macherinnen von ApoDec kennen, einem Designteam mit eigenem Studio (Cool!). Nachhaltiger war auch der Eindruck, den mein Vortrag bei dem Team vom COO hinterlassen hatte.

Bei einem privaten Streifzug durch die Stadt war ich auf der Suche nach einem Laden um was zu trinken. Ich war in der Gegend rund um unser Hotel unterwegs gewesen, dem wichtigsten Kreativquartier der Stadt. Letztlich habe ich mich zufällig für den Laden entschieden (wobei, nicht zufällig, denn ich fand ihn am interessantesten) und bin zum Tresen um etwas zu bestellen. Dort traf ich dann auf Apostolis der hinter der Bar stand. Nachdem ich meine Bestellung aufgegeben hatte, sprach er mich an und wollte sich für meinen Vortrag auf der Konferenz (am Tag zuvor) bedanken! Er war nämlich dort und hatte mich wiedererkannt. An die Bezahlung von Getränken an diesem Abend war ab sofort nicht mehr zu denken! Ich bin dann mehr als 5 Stunden bei der Crew im COO geblieben und wir haben über die unterschiedlichsten Dinge rund um die Szene in Thessaloniki gesprochen. Auch über die steuerliche Situation von Bars & Clubs und dem Verhalten der Steuerbehörden. Im COO fand an diesem Abend auch eine Party statt die wir eh als Berliner Delegation besuchen wollten. Deshalb kamen dann auch alle aus der Berliner Gruppe dort hin.

Als ich am nächsten Tag nochmal in dem Laden vorbeigegangen bin wurde mir erzählt, dass kurz nachdem wir den Laden in der Nacht verlassen hatten die Steuerprüfer im COO eingerückt sind, zwei Stunden vor Ort waren, 30 Minuten die Bar lahmgelegt haben und letztendlich ein Bußgeld über 500,- wegen falscher Belege verhängt (und gleich kassiert) haben. Eine groteske Verdichtung der Probleme die Clubs und Bars in Thessaloniki haben, über die ich an anderer Stelle gern nochmal berichten werde.

Insgesamt war die Reise für mich ein voller Erfolg. Ich konnte tolle Leute und Orte kennenlernen, insbesondere bei unserem Rundgang durch Orte der Kreativwirtschaft, bei dem wir Studios, Proberäume, Büros, Locations und Studios besuchten. Insgesamt gibt es in Thessaloniki einen wilden Szenemix aus Aufbruch, Mainstream und Tradition, bei fast immer hohen Preisen. Es herrscht viel Leerstand, was an den hohen Raumkosten für alle Akteure liegt. Dazu die Verkehrsprobleme, der beste Teil der Stadt, die Hafenpromenade, ist eine kleine Autobahn! Noch dazu gibt es einen schwierigen Mix aus Staatsverdrossenheit und Staatsgläubigkeit, insbesondere bei den älteren TeilnehmerInnen aus Thessaloniki.

Ich möchte auf jeden Fall in der Zukunft dabei helfen, dass Erfahrungen und auch Inhalte aus Berlin in Thessaloniki eine wichtigere Rolle spielen. Um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen müssen wir mehr daraus machen, wenn wir uns gemeinsam Treffen: methodisch, zielführend und mit ganz viele Spaß!

iTHINKi – Unsere ‘Little Data Company’

Die Geschichte startet mit einer Android App mit dem Namen iTHINKi. Bitte probiert sie hier aus! Check unsere Webseite, folge uns auf Twitter oder kommt in unsere Facebook-Gruppe.

Im Moment ist iTHINKi nur ein einfaches Smartphone-Tracking-Device, aber mit einem kleinen Unterschied. Der Unterschied liegt darin, dass wir nicht vor haben, jemals Eure Daten zu tracken. Klingt komisch, klar, aber die Realität ist, dass sich Unternehmenswachstum und ‘Big Data’ meist darum drehen, dass die Unternehmen mehr über dich wissen als du selber. Darin liegt ihr Wettbewerbsvorteil. Wir glauben, deshalb solltest Du Dich, mit unserer Technologie beschäftigen.

Unser Ziel ist es Dir die Möglichkeit zu geben, von den Daten die Du generierst zu profitieren, sie zu verstehen und Spaß damit zu haben. Wir wollen es Dir einfach machen, Deine Daten zu lesen, zu managen, zu ändern oder was immer Du damit tun möchtest. Wir bauen Tools, damit Du Deinen eigenen Datengarten abstecken kannst. Wir können andere (noch) nicht aufhalten, Deine Daten zu sammeln, aber wir können, einfach gesagt, Dir die Möglichkeit geben Deine eigenen Daten selbst bestimmt zu nutzen.

Im Moment musst Du nicht mal unsere „Terms & Conditions“ akzeptieren, denn wir haben keine – das ändert sich vielleicht mal, was wir jedoch haben und was Du von uns bekommst sind unsere Hoffnungen und Träume. Wenn es schlecht läuft, dann bleibt iTHINKi nur eine einfach Seite im Netz. Wie auch immer, wir brauchen keine Privacy Policy, denn wir wollen Deine Daten gar nicht haben. Sie bleiben bei Dir!

Wir geben Dir Werkzeuge damit Du Deine eigenen Daten befreien kannst. Du kannst sie löschen, exportieren oder speichern, wie Du magst! Genau das ist es was mit mit ‘Little Data Company’ meinen.

Die Idee, die Bewegung, das Unternehmen bauen auf dem Versprechen unserer Ehrlichkeit. Dieses Vertrauen ist der einzige Vorteil den wir haben. Aber warum uns vertrauen? Wir haben begonnen aufgrund unserer gemeinsamen Leidenschaft für Open Source, Free Software, Mobile und Soziale Technologien. Wir glauben, dass der bessere Deal und einfachste Weg nach vorn lautet: Die Daten die Du generierst sind Deine! Wir sind auf dem Weg es Dir einfach zu machen etwas nützliches mit Deinen Daten zu tun. In der Zukunft werden wir sicherlich unabhängige Auditoren damit beschäftigen unsere Ehrlichkeit und testieren und somit Euer Vertrauen zu rechtfertigen.

Wie wollen wir die Ideen von iTHINKi realisieren? Es ist so einfach, dass wir uns wundern, dass noch niemand (den wir kennen) so etwas anbietet. Wir wollen eine Open Source Bewegung aufbauen, die die individuellen Nutzerrechte steigert und die Möglichkeit liefert, die eigenen Daten besser zu verstehen und davon selber zu profitieren – wir helfen Dir Dein digitales Leben besser zu verstehen. Trotz allem, nur weil du tippst, klickst, roamst, teilst, chattest, knipst, dich einloggst oder was immer Du Online tuest: das bedeutet noch lange nicht, dass dir deine Daten nicht gehören! Es sind Deine Daten und wir hoffen, wir können Dir helfen sie zurück zu bekommen!

First things first:

  • Alle Daten die iTHINKi für Dich sammelt gehören dir
  • die Daten bleiben auf Deinem Gerät und werden von uns nicht gelesen
  • Du kontrollierst Deine Daten
  • Du kannst sie exportieren und damit machen was du magst
  • Du entscheidest welche Informationen über Deine Daten Du haben möchtest

Aber wie werden wir damit jemals Geld verdienen? Unsere Partner, Freund und Familien fragen uns das natürlich. Also, iTHINKi, die App, wird vielleicht nie Geld verdienen, denn wir sind was Werbefinanzierung angeht zurückhaltend. Es gibt Potenzial für Premium Services, kostenlos auf Zeit oder Einmalkauf im Appstore – aber all das wird unser Userwachstum einschränken und wenn wir daran glauben, dass Informationen für den Nutzer frei zugänglich sein sollte, wären diese Wege schon sehr komisch.

Wie auch immer, vielleicht in der Zukunft … Wenn wir mal genug Nutzer haben, dann können wir Dir als Nutzer ein Angebot machen, mit dem Du vielleicht Geld verdienen kannst, in dem Du Teile Deiner Daten an den höchst bietenden verkaufen kannst. Vielleicht Anonym an Hochschulen, Unternehmen oder Start-Ups, die Dein Datenprofil interessiert und wenn Du diese Informationen mit ihnen teilen möchtest!

Im Moment haben wir keine Wahl. Deine Daten gehören Dir und wir helfen Dir, diese überhaupt erstmal kennenzulernen. Bitte probiere doch unsere App aus. Du kannst sie hier runterladen – bitte sag uns, was Du davon hältst, was Du gern an weiteren Funktionen sehen würdest damit wir eine wirklich kollaborative, dezentralisierten Service schaffen können.

Auf dem Frismakers Festival Berlin habe ich dazu auch einen 300 Sekunden Pitch gehalten. Geht besser, aber war auch der erste überhaupt!

“little data company is making use of the mindset & tools of the start up movement without aiming for VC and profit on the back of user privacy, but with the goal to empower the user instead of big companies this is digital activism applying a business mindset / with a business backbone“.

J.G. Archer, CEO & Founder: Linkedin / Twitter

Arend Jan Majoor, Founder: Linkedin / Twitter

Andreas Gebhard, Founder : Linkedin / Twitter

Mirko Boehm, CTO: Linkedin / Twitter

EndoCode, Tech Partners: Website