day 4: Portland, DMI Konferenz Tag 2

Zweiter Tag der DMI Konferenz in Portland. Die ersten vier Vorträge am Vormittag waren sehr unterschiedlich und sehr interessant. Einer der heißesten Spots in Portland, das BEAST, ein Restaurant eröffnete den Tag. In Too many Cooks in the Kitchen? beschrieb CEO/Founder von Beast, Naomi Pomeroy, wie sie immer wieder neue Ideen in der Gastronomie umsetzt (jedes Gericht wird nur 1x gekocht!) und wie sie Schritt für Schritt zu einer national bekannten Restaurantbetreiberin geworden ist. Impressiv!

http://beastpdx.com/

Einen tollen Anknüpfungspunkt schaffte Karen Hofmann, Chair, Product Design, Art Center College of Design; Director, Color, Materials and Trends Exploration Laboratory (CMTEL). Sie hat zzt. ein Projekt in Berlin. Ihre Sichtweisen waren mir sehr sympatisch. Solche wie: „New typ of students: the open source generation! hypertasking not multitasking“. Ich hoffe wir können mal was zusammen machen.

Zum heißen Thema Gamification gab Kevin Spier von Bunchball seine Rede ‚how #gamification make teams more productive‘. Er hat sehr anschaulich gemacht, wie „Spielen“ immer weiter in den Fokus der Unternehmensführung rückt. zB. gibt es mittlerweile ein Spielsystem für Einsteiger bei Photoshop. Nicht zu sprechen von so Dingen wie 4sq.com. Am Ende hat er noch die Teilnehmer in ein Spielchen verwickelt, rund um gelungender Vortrag.

Die Rede von Dave Gallon war sicher ein Highlight, „I’m willing to piss people off, but I’m not willing to be disrespectful about it“ war einer der Sprüche. Sein Talk hieß: The Serendipity Business und er ist Director of Strategy and Innovation, Toyota Motor Sales. Für mich war hier besonders spannend, dass auch er über die Notwendigkeit von ‚Orten“ für den kreativen Austausch sprach. Immer wieder wird man an den newthinking store erinnert.

Nach dem Mittagessen ging es gleich mit meinem absoluten Highlight der Veranstaltung weiter. Alice Quan sprach in ihrem Vortrag ‚The Epic Wins and Failures of Designing Success‘ über ihre Erfolgsfaktoren im Design und im Business allgemein. Sie ist Sr. Director, Product Development + Merchandise Innovation bei Walmart und hat ihren Vortrag sehr persönlich gehalten, also mit ihrer Biographie verknüpft. Schon als kleines Mädchen war sie von der amerikanischen Superheldenkultur beeindruckt und hat sich Superkräfte ausgedacht. Diese hat sie nun auf das Geschäftsleben angewendet und hat uns Teilnehmern folgende (Super-)Kräfte als zentral für den wirtschaftlichen Erfolg ans Herz gelegt:
* flawsome – Embrace imperfections, transparency triumph
* whatiftimistic – Opportunistic optimism, iterate, test + leran, persistant follow through
* youniversal – Understand your audience, adjust your style, not your DNA
* quantiFYI – Define your value, measure it and share it
* DTI – Do it together, surround yourself with greatness + you will be great
Toller Vortrag, tolle Performance. Man sollte ihr unbedingt folgen.

Es gab noch einige ganz interessante Vorträge, aber die Session auf die alle gewartet hatten war das Schlusspanel. „Design Thinking is Dead„. Auf dem Podium waren dann David Aycan, Design Director and Business Design Discipline Lead, IDEO, Robin Lanahan, Sr Principal Brand Strategist, Startup Business Group, Microsoft und Tom Lakovic, Founding Partner, Industry. Die Diskussion drehte sich dann auch, wie zu erwarten war, um die Frage was im Mittelpunkt der Arbeit von Designern / Designbüros stehen sollte. Theorie oder Praxis. Wie schon auf der gesamten Konferenz konnte man auch auf diesem Panel sehen, dass die Meinungen ungefähr gleich verteilt waren. David Aycan blieb dann auch, wenig überraschend, bei der Position, dass Design Thinking nicht tot sei (er behauptete auch, dass er den Begriff eigentlich garnicht verwenden würde), sondern nur einer Auffrischung bedürfe. Die etwas lahme zwischen Position ‚DT ist nicht tot, lebt aber auch nicht mehr‘ vertrat dann Robin Lanahan – langweilig. Richtig Schwung in die Diskussion kam nur durch die Kommentare von Tom Lakovic, der die anderen Teilnehmer ständig mit spitzen Thesen provozierte und der Auffassung ist, dass Design Thinking auf jeden Fall tot sei und das die Praxis über die Theorie zu stellen sei „Design Thinking is not dead, it is done“.
So endete auch diese Debatte etwas unbefriedigend mit einem Patt. Das war aber nicht weiter schlimm, denn es war ja abzusehen, dass sich die Theoretiker und Praktiker weiterhin gegenüber stehen würden. Was für mich ein interessantes Fazit der Debatte war: mich erinnerte die Diskussion etwas an die Debatten in und über die Musikindustrie von vor +- 10 Jahren. Jeder weiss eigentlich, dass die besten Zeiten vorbei sind, möchte sich aber noch nicht zu sehr bewegen und neues wagen. Es wird also spannend sein, in der nächsten Zeit zu beobachten, ob die großen und extrem erfolgreichen Designstudios in der Lage sind sich auf die neuen ökonomischen Gegebenheiten einzustellen, oder ob es auch viele Jahre dauern wird, bis ein neues Designparadigma zum Mainstream wird.
Das Ende der Konferenz wurde dann von der Truppe um Gary Hirsch gestaltet. Das Improvisationstheater ‚On Your Feet‘ hatte sich die Arbeit gemacht, alle Speaker der Konferenz zu beobachten und hat dann jeden einzelnen in ganz kurzen Sequenzen parodiert. Das war zum brüllen komisch, wenn z.B. die sehr affektierte NIKE Lady auf den Stuhl kletterte oder schonungslos auf die zuweilen vorhandenen Unzulänglichkeiten der Redner aufmerksam gemacht wurde. Eine wirklich tolle Idee die man sich bei vielen Konferenzen wünschen würde.
Für mich ist es noch zu früh eine gesamte Einschätzung der Konferenz vorzunehmen und was mein Besuch u.a. für newthinking bedeuten kann. Sicher ist aber, das sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt hat. Danke an das DMI-Team!

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