Magazin SPRINT im Supermarkt

Klasse, noch zehn Tage bis zum ersten newthinking Book SPRINT! Mit diesem Projekt (04. – 06.04.13) verwirklichen wir nun einige tolle Ideen die wir schon länger haben. Wir machen ein Magazin (welches auf der re:publica verteilt wird, an ausgewählten Kiosken, an Bahnhöfen und im Zeitschriftenhandel erhältlich ist und an Kunden von newthinking versendet wird).

Wir schenken uns dieses Magazin aber eigentlich selber zum 10. Geburtstag, denn: wir sehen das Coffee-table-book auch als ein Geburtstagsgeschenk an uns selber! Echt schön, dass sich schon fast 200 Leute zur Party angemeldet haben. Diese findet zwischen dem 21. – 23. Juni 2013 in der Willner Brauerei in Pankow statt. Aber zurück zum Sprint. Hier einige Sätze aus der Beschreibung:

Offenheit, Transparenz, Kollaboration und neue Business Modelle.
Das ist die Philosophie von newthinking. 2013 seit 10 Jahren.

Aus diesem Anlass wollen wir ein Experiment durchführen:
Ein Magazin produzieren.
In drei Tagen.
In offener Kollaboration.

Veröffentlichung auf der re:publica

Digitale Kultur, Netzpolitik, DIY, Kollaboration, Open Everything – um Themen wie diese soll es im Magazin gehen.

Doch noch ist keine Zeile geschrieben und kein Inhalt festgelegt.
All dies geschieht vor Ort während des Sprints.

Du wolltest schon immer ein Magazin machen?
Doch hattest nicht genug Ressourcen oder Mitstreiter?

Du bist Experte im Bereich DIY? Du betreibst Open Design Label? Du bist Entwickler in einem Open Source Projekt? Du bist Unternehmer und überzeugt von Open Innovation? Du bist Datenjournalist und greifst auf Open Data zurück? Du bist in Co-Working Spaces unterwegs und schwörst auf Kollaboration? Du bist in einem Start up und experimentierst mit neuen Business-Modellen?

Hier ist deine Chance:
Beteilige dich am newthinking Magazin und bringe deine Expertise und Themen ein.
Mit einem Artikel, einem Interview oder visuell.
Durch kritische Kommentare und Feedback an entstehenden Beiträgen.
Durch die Gestaltung der Inhalte.

Wir remixen also die Idee des Booksprints. Hierzu haben ich heute einen kleinen Artikel auf dem Blog ‚Rückeroberung des Öffentlichen‚ geschrieben. Bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass ich mich freuen würde, wenn Ihr Euch zahlreich anmeldet!

Die Zufallsmaschine

In seinem nicht mehr ganz neuen Buch „The Serendipity Machine“ beschreibt Sebastian Olma einen Zustand wie ihn jeder kennt – Kommissar Zufall! Klar, hier geht es nicht um Kriminal Delikte, sondern um die Schaffung von Rahmenbedingungen für Innovation in der digitalen Gesellschaft. In dem handlichen, knapp 70 Seiten starken Buch, zeichnet er einen Ansatz den er, einer Case Study gleich, bei der niederländischen Firma seats2meet.com beobachtet hat und genau beschreibt. Im Untertitel des Buchs formuliert er den Ansatz als „Business Model for Society 3.0“, was mir erstmal komisch klingt (Sebastian hat mir das Printbuch vor vielen Wochen persönlich zugesendet, fyi) und diese sperrige Nummerierung erschließt sich mir auch nach einiger Zeit nicht.

Aber worum geht es hier eigentlich? Hier geht es um einen Ansatz, der in den Niederlanden sehr erfolgreich praktiziert wird, nämlich um die kostenlose Bereitstellung von Infrastruktur (Raum, Drinks, Food) und die Philosophie dahinter, dass eine Bezahlung durch eine neue andere Währung erfolgt – durch ‚kreativ Kapital‘. Doch wie funktioniert das? Derjenige der diese freie Infrastruktur zur Verfügung stellt bietet „added value“ in Form von Meetingräumen o. ä. die die Besucher dazu buchen können. Als NutzerIn der Infrastruktur willige ich ein, sowohl Online also auch auf Screens in der Location, a) mit meinem sozialen Profil dort angezeigt zu werde (mich also einchecke) und b) für die Ansprache der anderen BesucherInnen zur Verfügung stehe. Ich also mein Wissen der temporären Community an diesem Ort zur Verfügung stelle. Kern dieser Überlegung ist also die ungerichtete Bereitstellung einer Plattform, mit gewissen Spielregeln, um Zufall Raum zu geben – diesen also zu befördern.

Anhand des konkreten Beispiels seats2meet gelingt es Sebastian die Basismechanismen einer vernetzen und mehr auf die Freelance-Kultur ausgerichteten Gesellschaft zu beschreiben. Er nutzt dafür nicht nur Creative Commons Lizenzen beim texten sondern beschreibt auch die Reproduzierbarkeit des Konzepts. An vielen Stellen beschreitet er Neuland und nutzt neue Begriffe wie Fanchise, was am genannten Beispiel, die weitere Verbreitung der Co-Working-Infrastruktur ermöglicht. Ich kann den Download also erstmal nur empfehlen und wünsche mir, dass viele Leute an der Lesung am 22.03.2013 im Aufbau Haus am Moritzplatz teilnehmen. Leider werde ich nicht da sein. Ich kann doch, Generalabsage.

Trotzdem habe ich einige Fragen zu diesem Rückzahlungskonzept, denn die ungerichtete Bereitstellung von eigenen Ressourcen ist ja nicht unbedingt neu. Der Punkt den der Text umreißt ist ja eher der, dass man als Teil einer Gemeinschaft den Nährboden für etwas unerwartetes zur Verfügung stellt. Im Kern geht das Konzept also zurück auf Mechanismen die schon bei Jägern und Sammlern eine Rolle spielten – Unberechenbarkeit. In dieser digitalen Welt jedoch ein seltener werdendes Gut. Dieses Momentum zu erzeugen – oder dafür gar eine Maschine zu haben – ist ein sehr umfassender Ansatz. Nur das eine Beispiel der seats2meet.com dafür zu nutzen ist mir zu wenig. Ich verstehe vielmehr diese Arbeit als Kapitel eines umfassenderen Werkes was zu dem Thema „Urbarmachung des Zufalls“ entstehen sollte. Sebastian: there is work to do! I’m in.