Philanthro-Capitalism, Impact Economy und die Burg

Auf Einladung von Dr. Maximilian Martin besuchte ich in den vergangenen drei Tagen die Konferenz Impact Economy Symposium 2013 “Learning from First Principles, Building the Transition Team.” Zusammen mit 40 Persönlichkeiten – Social Business Investoren & Venture Capital Firmen, Philanthrophen, Stiftern, Journalisten und MacherInnen von Social Business das schweizerische „Greifenstein Castle“ – eine Burg am Bodensee in der Nähe von St. Gallen und Bregenz.

Um es schon an dieser Stelle zu sagen: die Veranstaltung hat meine Erwartung in vielen Richtungen weit übertroffen. Ich konnte beeindruckt feststellen, dass Max es geschafft hat, eine spannende und äußerst relevante Mischung an Persönlichkeiten einzuladen wie es sonst vielleicht nur die Clinton Initiative, Davos oder die Weltbank hin bekommen. Persönlichkeiten wie Matthew Bishop, Christian Krüger (Einlader), Tim Beardson, Kieron Boyle (Head of Social Finance at the Cabinet Office UK), Philippe Lemoine, Hedda Pahlson-Moller oder Ralph Tayler bildeten eine tolle aber auch familiäre Gruppe die sich mit der Zukunft des zivilgesellschaftlichen Engagements und dessen Finanzierung auf einem globalen Level beschäftigen konnte.

Neben spannenden Vorträgen war Netzwerken das wichtigste Thema. Ich hoffen in den nächsten Tagen etwas Zeit zu finden, die wichtigsten Erkenntnisse hier zu veröffentlichen. Auf jeden Fall an dieser Stelle schon Mal sehr vielen Dank für die Einladung Max!

Mit ihm habe ich für das ‚Open Everything‘ – Magazin zum 10 Geburtstag von newthinking ein Interview gemacht:

Große Konvergenz oder heiße Luft?

Im Interview mit Dr. Maximilian Martin, Gründer und Geschäftsführer der Impact Economy SA in Lausanne, wird dem Thema nachhaltige Wertschöpfung auf den Grund gegangen. von wo kommt die Bewegung des sogenannten »Impact Investings« eigentlich? Und was genau heißt dieser neudeutsche Begriff? Wie hängt ökologisches/soziales Unternehmertum – oder Social Entrepreneurship – damit zusammen? Und was kann dieses neue Gedankengut dazu beitragen, uns zukunftsfähig zu machen?

Sie sind einer der Pioniere in Europa im Bereich Impact Investing und Social Entrepreneurship. Das sind relativ neue Ansätze. Warum brauchen wir Derartiges?

Europa hat Probleme und braucht Innovationen! Denken Sie an die Arbeitslosigkeit. Oder Herausforderungen wie die Überalterung und Fettleibigkeit mit jeweils verbundenen Gesundheits- und Betreuungsproblemen. Beträchtliche Bevölkerungsgruppen in Industrieländern leiden unter Strukturwandel und brauchen Jobs, da braucht es neue Lösungen. Gleichzeitig sehen wir aber die sinkende Finanzierbarkeit öffentlicher Güter in OECD-Staaten. Zusammen ergibt das einen enormen Innovationsbedarf, der auch finanziert werden muss. Mit Steuermitteln und privater Philanthropie alleine bekommen wir das nicht hin. Wir brauchen Investitionen, die sowohl gesellschaftliche wie ökologische Ziele erreichen, also auch finanziell Sinn machen. Da liefert Impact Investment eine Antwort. Es wird geschätzt, dass durch die Überalterung nachgefragte öffentliche Dienstleistungen bis 2025 massiv zunehmen werden. Die Lücken in der Finanzierung sind beachtlich: In Frankreich sagt Accenture fast 80 Milliarden Euro voraus, in Deutschland über 60 Milliarden, in Italien über 20 Milliarden und in Großbritannien sogar 130 Milliarden Euro! Also: Im Moment ist Impact Investment sicher noch ein innovatives Nischenthema. Aber das Thema bewegt sich in den finanziellen Mainstream. Denn so, wie wir bisher gearbeitet haben, geht es auf die Dauer nicht weiter.

Seit wann gibt es »Impact Investing«?

Eigentlich gibt es diese Idee des ökologischen und/ oder sozialen Investierens zwar schon länger, doch richtig in Gang kam die Bewegung erst in den Jahren 2007 und 2008 auf zwei Konferenzen der RockefellerStiftung. Es war kurz nach der Finanzkrise. Wir haben geahnt, dass die öffentlichen Investitionen nun aufgrund der hohen Verschuldung zurückgehen würden. Wir haben außerdem gesehen, dass die Philanthropie zu wenig Geld bewegt und oft zu wenig auf Resultate schaut. Es brauchte Lösungen, um diese Lücke zu füllen. Also haben wir damals die Idee des Impact Investing definiert und überlegt, wie wir dieses Thema voranbringen können.

Was versteht man nun genau unter »Impact Investing«, »Impact Finance«, »Social Finance« und »Social Entrepreneurship«?

Der Begriff »Impact Investing« ist aus den ebengenannten Konferenzen hervorgegangen. Die genaue Definition lautet: »Impact Investing löst soziale oder ökologische Herausforderungen/Probleme unter gleichzeitiger Erzielung finanzieller Renditen […] Impact-Investoren wollen aktiv Kapital in Fonds und Unternehmen platzieren, welche die positive Kraft des Unternehmertums nutzen.« Das Konzept wurde seitdem brillant vermarktet. »Impact Finance« und »Social Finance« sind bisher weniger gebräuchliche Begriffe für dieselbe Idee. Ich würde an dieser Stelle auch »Social Entrepreneurship« ins Spiel bringen. In der Realwirtschaft geht es Social Entrepreneurs darum, die posit ive Kraft des Unternehmertums zu nutzen, um positive soziale und/ oder ökologische Wirkung zu erzielen. Wo so viel in Bewegung ist, ist gute Navigation gefragt.

Wie passt da »Impact Economy« hinein und was sind die wichtigsten Trends?

Holistisch, mit einem Blick für die sich verschiebenden tektonischen Platten. Die Impact Economy AG ist eine Beratungsfirma für nachhaltige Strategien und Finanzdienstleistungen mit positivem Impact – der Name ist also Programm. Matthew Bishop von der Zeitschrift The Economist stellte unser Herangehen letztes Jahr wie folgt dar: »Ich mag den Namen ›Impact Economy‹, weil ihr das große Ganze berücksichtigt, statt euch nur auf eine Kategorie oder eine Anlageklasse zu fokussieren. Impact Economy befasst sich mit der Gesamtstruktur unserer Wirtschaft.«

Warum Impact Economy?

Investitionen, die sowohl finanzielle als auch Wirkungsziele verfolgen, bilden nur einen Ausschnitt von dem ab, was gerade passiert. Um gute Investitionsentscheidungen zu treffen, müssen wir neben Transaktionen selbst aber auch Trends und den Gesamtzusammenhang genau anschauen. Wir leben in einer Zeit großen strukturellen Wandels. Ein wichtiger Treiber ist Transparenz. In Genf, wo ich wohne, haben zum Beispiel dieses Jahr die beiden größten Privatbanken am Finanzplatz, Pictet und Lombard Odier, gemeinsam erklärt, dass sie den Status einer unbeschränkt haftenden Partnerschaft aufgeben werden und sich als Kommanditgesellschaften strukturieren wollen. Da wird die Transparenz stark steigen. Gleichzeitig prangern Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace Bekleidungsfirmen an und sorgen so für neue Transparenz bezüglich eingesetzter Chemikalien und anderer Missstände. Immer mehr Konsumenten sind bereit, für ethisch und ökologisch hergestellte Produkte und Dienstleistungen eine Prämie zu zahlen; das ist heute allein in den USA eine 300-Milliarden-Dollar-Industrie. Investorenpräferenzen verändern sich ebenfalls – denken Sie an die zunehmenden Anfragen institutioneller Investoren an große Firmen hinsichtlich nachhaltigen Wirtschaftens. Nachhaltigkeit und Impact werden also zum Investitionskriterium und Wettbewerbsfaktor. Anfang des Jahres war ich z. B. am World CSR Day in Indien. Dort hat die indische Regierung neu beschlossen, dass alle größeren Unternehmen in Zukunft 2 Prozent ihrer Gewinne für CSR aufwenden müssen –geschätzte 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Ferner erleben wir eine Neudefinition von legitimem Gewinn und Sinnhaftigkeit. In den letzten Monaten sind wieder weitere Milliardäre dem Giving Pledge Kampagne beigetreten. Diese beinhaltet ein Versprechen, zu Lebzeiten mindestens 50 Prozent seines Vermögens zu spenden. Wir haben 2011 mit dem Impact Pledge eine komplementäre Initiative geschaffen, die sich mit dem Auf bau von Strukturen beschäftigt, die effizientes und effektives Geben ermöglichen, damit möglichst viel von den Ressourcen ankommt. Wir nennen das »Impact-Infrastruktur«. Der gemeinsame Nenner aller dieser Entwicklungen ist »Impact«: etwas Positives und Relevantes mit den eingesetzten Ressourcen zu erreichen. Wir bei Impact Economy setzen uns deshalb ein für die Art von Wirtschafts- und Institutionenlandschaft, die entstehen muss, damit wir aus diesen Trends Chancen schöpfen können, anstelle mit purem Compliance-Denken und QuasiNullwachstum auf der Stelle zu treten.

Sie haben soeben »Corporate Social Responsibility« (CSR) erwähnt. Ist das nicht nur Marketing?

Wir haben zu diesem Thema gerade eine Studie online veröffentlicht (»CSR’s New Deal: A Blueprint for Your First Hundred Days in the Sustainable Capitalism«). Darin geht es um die Zukunft von CSR. Die traditionelle CSR, getrieben vor allem durch die Einhaltung von Gesetzen und Regeln, kostet Geld und verbessert im Idealfall den Ruf der Unternehmung etwas. Das wird vorbei sein. Wichtig ist, Verantwortung und Chancen vernetzt zu denken. Es gibt vielversprechende Ansätze. Diese neue CSR – wir nennenes den »CSR’s New Deal« – ist viel ambitionierter als der bisherige Ansatz. Die CSR der Zukunft ist inmitten des Kerngeschäfts und bei den Innovationstreibern von Unternehmungen angesiedelt – und nicht mehr nur eine Nebenaktivität. So können Unternehmungen neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln, zusätzliche Kundengruppen bedienen und neue Märkte erschließen. Damit wird der ökonomische Fortbestand der Unternehmung gesichert und positive soziale/ökonomische Wirkung erzielt. Das kann einen wichtigen Beitrag zu unserer Zukunftsfähigkeit leisten und ist mehr als heiße Luft.

An was arbeiten Sie im Moment?

Neben all den »ernsthaften« Aktivitäten wollen wir die Welt auch spielend verändern: Kern des Projekts ist es, einen replizierbaren Mechanismus zu entwickeln, um spendenabhängigen Top-Organisationen die Skalierung und Erweiterung ihrer Aktivitäten zu ermöglichen. Durch Ausgaben (echtes Geld) im Onlinespiel erhält die Organisation wichtige finanzielle Ressourcen: Die Spieler können einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten und lernen nebenbei spielerisch Probleme und deren Lösungen kennen. Gemeinsam mit der Organisation Riders for Health erarbeiten wir derzeit ein Spiel rund um Gesundheitsservices mit Motorrädern in Afrika. Ein Teil des online ausgegebenen Geldes – jede Woche werden immerhin 3 Milliarden Stunden mit Onlinespielen verbracht – soll so eine positive soziale/ökologische Wirkung entfalten.

Impact Economy SA

 

Berlin, Berlin – wir gründen in Berlin!

Dieser Artikel ist im newthinking Magazin ‚Open Everything‘ im Mai 2013 erschienen:

Viele gründen Start-ups in Berlin, viele Zaungäste stürzen sich darauf – aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Absichten. Verhindert werden muss jedoch, dass kreatives Innovationspotenzial auf dem Weg einer Anpassung an klassische Venture-Capital-Strukturen auf der Strecke bleibt.

Worum geht es bei der Diskussion um den Start-up-Standort Berlin: Um die Stadt? Um die Community? Um den eigenen Geldbeutel? Was sind die relevanten Fragen? Züchten wir Unternehmenszombies für die vorhandenen Business-Strukturen heran? Bilden wir nicht sogar künstliche Ruinen? Prof. Dr. Kai Vöckler hat sich in seinem Buch Die Architektur der Abwesenheit. Über die Kunst, eine Ruine zu bauen mit der Kulturgeschichte der Chimäre auseinandergesetzt und kommentiert in einem Kurzgespräch:

In deinem Buch beschreibst du eine lange Tradition der nutzlosen Architektur, die allein zur Erbauung der Betrachter entwickelt wurde. Sie hat viel mit Zeitgeist und Weltbildern zu tun. Was hat es damit auf sich?

Du meinst die antikisierten künstlichen Ruinen, wie sie in den Landschaftsparks gebaut wurden. Ich würde diese nicht als nutzlos bezeichnen, denn sie dienen ja, wie du selbst sagst, der Erbauung – wie der Park auch. Ich würde sogar sagen, dass sie einen Erkenntnisgewinn versprechen, wenn man sich auf sie einlässt. Nicht nur erinnern sie an die Vergänglichkeit der Dinge und des Lebens, sondern können auch einen wichtige kulturelle Funktion haben, indem sie etwa einen Bezug zur Antike herstellen, auch wenn die Griechen und Römer nie in Kassel oder Dessau waren. Man kann das als Fake abtun, unterschätzt dann aber die wichtige sinnstiftende Wirkung solcher künstlich ruinierten Monumente.

Wie schätzt du eine neue Start-up-Kultur in Berlin und in Deutschland ein: Drohen hier, im übertragenen Sinne, nicht auch künstliche Ruinen?

Das liegt in der Natur der Sache. Nichts ist von Dauer, und manchmal stellt sich der Verfall schneller ein, als man möchte. Umso interessanter ist, dass einige Künstler und Architekten das unweigerliche Verschwinden ihrer Kunstwerke mitdenken und zum Thema machen. Das kann man von der Start-up-Kultur nun nicht erwarten, hier geht es ja um Kommerz und nicht um Kunst. Da ist jedes Scheitern natürlich unwillkommen. Künstler sehen das anders. Um Beckett zu zitieren: »Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.« [1]

Was hältst Du von einer Erweiterung der Begrifflichkeit Creative Entrepreneurship?

Den »Entrepreneur«, der sein Scheitern zum Thema macht, habe ich noch nicht kennengelernt. Der wäre wirklich etwas Neues.

Um zu scheitern, muss man erst einmal anfangen. Nur dann kann man auch verlieren. Für Berlin gilt es ja in diesen Tagen vor allem dazu zu gehören – zu dieser förderwürdigen Crowd von Gründern, die die Investoren überzeugen. Im internationalen Kontext gibt es hingegen keine Anzeichen, dass Berlin eine relevante Rolle spielt. Eine Liste des Benchmarking-Projekts Startup Genome [2] sieht erwartungsgemäß auf Platz 1 Silicon Valley, auf dem zweiten Rang folgt die israelische Metropole Tel Aviv. Auffallend viele US-amerikanische Regionen haben den Sprung in die Top Ten geschafft. Berlin landet auf Platz 15.

Die Relevanz der Berliner-Start-up-Szene steht in keinem Verhältnis zu ihrer Selbstwahrnehmung. Es scheint so, dass die Akteure den Standort sehr überschätzen und immer mehr weitere Marktteilnehmer auf diesen Zug aufspringen. Das macht aber noch keine einzige neue Firma, sondern vergrößert nur die Diskrepanz zwischen Realität und Fiktion. Aus diesem Grund ist es umso entscheidender, einige Eckpunkte zu beherzigen, möchte man sich erfolgreich und fördernd in der Gründerszene bewegen.

Anstelle der Interessen von Investoren sollte insbesondere der Unternehmergeist aufstrebender Akteure gestärkt werden. Ziel sollte es sein, offene IT- und Webwelten zu stützen und keine neuen Monopole errichten zu wollen, nur weil sie den größten Profit versprechen. Berlin muss sich als Standort für ein offenes Web wahrnehmen und positionieren, denn unsere aktuellen Möglichkeiten der Kreativität strahlen weit über den engen Start-up-Horizont hinaus. Berlin ist eine DIY-Capital! Musik und Kunst sind im besten Sinne Standortfaktoren. Daher sind die Verdrängungsprozesse durch hochfinanzierte Venture-Capital- und Start-up-Unternehmen als Bedrohung der Kreativen-Ursuppe Berlins zu verstehen und verhindern (lustigerweise) die wirtschaftliche Gesundung der Stadt, denn sie sind nicht unbedingt nachhaltig oder gar fair. »Die allermeisten Start-ups verschwinden wieder«, sagt Alexander Hülsing vom Gründerszeneportal deutsche-startups.de, denn, so fährt er fort: «Die Erfahrung des Scheiterns ist Teil der Kultur.« [3]

Etliche UnternehmerInnen geben auf, wenn ihre Ideen nicht den erhofften Erfolg erbringen. Und suchen sich einen neuen Arbeitsplatz als Angestellte. In den USA scheint das anders zu sein. Wenn ein Projekt scheitert, wird ein neues in Angriff genommen, und sollte es wieder nicht funktionieren, folgt ein weiterer Versuch. Hüsing macht klar: »Wir müssen daran in Deutschland arbeiten, dass Scheitern kein Makel mehr ist.« Laut einer Studie [4] des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) liegt das Durchschnittsalter von GründerInnen der IT-Branche in Deutschland bei 38 Jahren und ist damit relativ hoch. Da kann man auch sagen: Es ist noch nicht zu spät. Wichtig ist die nachhaltige Dimension des Gründens. Lieber viele kleine gesunde Unternehmen als wenige hochgezüchtete.

Das Steffi-Graf-Stadion im Berliner Grunewald (52°29’5”N 13°15’27”E) wurde 1996 erbaut und bietet Platz für über 7.000 BesucherInnen. Seit Jahren jedoch liegt es fast unbenutzt brach. Könnte es so auch der Berliner Start-up-Szene ergehen? Photo: Andrea Grützner

 

[1] Samuel Beckett: Worstward Ho, New York City 1983

[2] Joachim Hackmann in der Computerwoche vom 26.3.2013

computerwoche.de/a/wo-startups-am-besten-gedeihen,2529511

[3] Interview im Kölner Stadt-Anzeiger

ksta.de/wirtschaft/bitkom-muenchen-und-berlin-sind-startup-hauptstaedte,15187248,20801330.html

[4] bitkom.org/73980_73972.aspx

Kai Völcker kai.voeckler.de

Burschenschaftler in da house

Gestern hatte ich einen skurilen Termin mit einer Delegation des Österreichische Cartellverband (ÖCV) bei uns im Büro.

Mehrere Dinge habe ich dabei gelernt:

  • Man sollte sich vorher genauer ansehen wen man denn so einlädt bzw. auf welche Gesprächsanfrage man sich einlässt
  • Es macht Spaß, Dinge wie Feminismus, Internationalität, Netzneutralität und Open Source einer von diesen Themen doch eher entfernten Zielgruppe zu kommunizieren
  • Es absolut Sinn macht, was Sascha Lobo sagt, im besten Beckenbauerschen Sinne „Geht’s raus und spielt’s Netzpolitik“

Die Debatte zum Thema re:publica war ganz interessant und das Interesse groß. Schaun wir mal ob auch die aufklärerischen Ansätze von mir sich irgendwie verfangen haben.

My making of re:publica 2013 – #rp13 – Part 1

Die Tage Anfang Mai 2013 werden immer mit einer Erfahrung verknüpft sein: re:publica13! Ich dokumentiere hier für mich den Ablauf meiner on-side Tätigkeiten für das Gelingen der Veranstaltung.

Gestartet ist das Ganze mit meiner ersten AirBnB-Vermietung meiner Wohnung, an Fabrice & seine Familie am Morgen des 02. Mai. Nach einem tollen TeBe-Besuch (trotz Niederlage) mit @sportwade und einem Abstecher auf das Myfest. Genauer gesagt erfolgte am Morgen des 02.05. nur die Wohnungsübergabe an meine vier französischen Gäste. Das lief schon mal gut!

Geprägt war der Tag durch den Auszug des #rp13-Teams aus dem republica GmbH Büro in der Schönhauser Allee in die Produktionsräume in der STATION. Viele warteten schon sehr darauf – jetzt geht es los! Allein die physische Verlagerung versprach schon mal: jetzt sind wir auf der Startrampe!

Eine Erfahrung die ich in den nächsten Tagen noch häufiger machen sollte war der Besuch in der Zentralkasse der Volksbank Berlin direkt gegenüber des Zoologischen Gartens. Meine erste Aufgabe am 03.05. war also, das Wechselgeld für die #rp13 zu besorgen. Wenn man das noch nicht gemacht hat, stellt sich das wirklich bizarre dar. Man kommt in das Gebäude und fährt mit einer Rolltreppe in den ersten Stock. Dort am Empfang wird man freundlich gebeten, mit dem Aufzug in das UG1 zu fahren, also in die Tiefgarage. Dort findet man dann, gut ausgeschildert die Zentralkasse, bei der man dann an einem Telefon anrufen kann. Die freundliche Stimme (aus der Kasse wie man später feststellt) weißt einen darauf hin, dass noch Leute vor einem daran seien, man dann aber bedient würde. Erst zu diesem Zeitpunkt nimmt man die weiteren wartenden Leute wahr, die ebenfalls drauf warten, dass sich eines der beiden metallenen Garagentoren in diesem Parkhaus öffnet und man an die Kasse gelangt. „Normalerweise“ hängen nicht so viele Leute einfach so in Tiefgaragen rum. Nach ca. 30 Minuten Wartezeit war ich dann auch an der Reihe und konnte die über 5.000,- EUR Wechselgeld abholen. Nicht so gut vorbereitet wie das Team in 2012, nämlich mit einem Rollkoffer, schulterte ich den Rucksack. Der Schmerz der Belastung ging direkt in die Mitte meines Rückens. Unter dem zwischen Mitleid und Verachtung switschenden Blicken des Kassierers machte ich mich dann auf den Weg wieder hoch ans Tageslicht und auf die Suche nach einem Taxi welches mich dann direkt in die STATION fuhr. Ich bin sehr froh, dass ich den gefühlt 60 Kilo Hartgeld getrotzt habe und zusammen mit Nico den Sack durch die Halle 3 in unser re:publica Produktionsbüro bringen konnte. Der #rp13-Aufbau war da schon in vollem Gange.

An diesem Freitag Nachmittag konnte ich mich dann, zusammen mit dem Team des WSLab on Creative Entrepreneurship, an die Vorbereitungen für den Workshop machen. Dieser startete dann am Samstag mit ca. 20 TeilnehmerInnen aus acht Ländern.

Die TeilnehmerInnen waren aufgefordert an zwei Tage eine auf den diy days in New York zwei Wochen zuvor erstelle design question zu diskutieren und Ideen dazu zu entwickeln. Bei diesem Kick-Off-Event in New York war ich auch in einem Hangout dabei.

Die design question lautete:

How could we enable and promote creative spaces to influence global action?

Ich bin sehr auf die Ergebnisse gespannt. Der Prozess wird im Herbst auf den Design Days in Amsterdam abgeschlossen und bildet somit einen spannenden und internationalen Ansatz der Kollaboration und Zusammenarbeit.

Doch zurück zum Freitag, den 03. Mai, an dem, ganz nebenbei, mein Oma ihren 93. Geburtstag gehabt hätte, wenn sie nicht vor einigen Jahren gestorben wäre. Am Abend hatte ich noch ein Treffen mit Christian Müller aus dem newthinking-Team zur mittelfristigen Planung von newthinking – denn mit unserem 10. Geburtstag im Juni 2013 wollen wir das eine oder andere verändern. Mal sehen was daraus wird.

Samstag, der 04. Mai war dann sowas wie der erste Kick-Off-Tag der re:publica 2013. Nicht nur das Treffen der Global Innovation Lounge hatte begonnen und der WSLab-Workshop, sondern der Aufbau nimmt immer konkretere Formen an. Das Helfermeeting mit über 150 Personen wurde durchgeführt. Wichtigster Punkt für mich war die Bauabnahme am Nachmittag. Dort mussten wir 90 Minuten durch alle Hallen laufen und die Brand- und Fluchtwegsicherheit mit der Feuerwehr und Leuten von Amt klären.

Mit wenigen Einschränkungen, die wir schnell ändern konnten, wurde uns die Bauabnahme erteilt. Ein wichtiger weiterer Schritt in Richtung #rp13 war getan. Am Abend war dann das erste cometogether im Golgatha angesetzt bei dem sich die Teilnehmer der GIZ, des WSLab und der newthinking netzwerklounge treffen konnten.

In der STATION ging der Aufbau bis spät am Abend weiter. Ruhig war es dann noch am frühen Sonntag, dem Tag vor dem Start der Veranstaltung. Das sollte sich natürlich im laufe des Tages ändern. Der zweite Teil des WSLab startete pünktlich um 10 Uhr und ich bin schon gespannt auf die Zusammenfassung der Ergebnisse.

Um 11.00 Uhr am 05.05.13 war dann das letzte Team/Technikmeeting.

Das ist dann jetzt das Ende von Teil eins meines My making of re:publica 2013. Der Rest folgt in den nächsten Tagen.

This is (more) for you! #rp13 Team

I would like to introduce to you: 21 37 re:publica 2013 team members & partners in ACT!ON (more to come!)

Big hugs to all of you!

Die Zufallsmaschine

In seinem nicht mehr ganz neuen Buch „The Serendipity Machine“ beschreibt Sebastian Olma einen Zustand wie ihn jeder kennt – Kommissar Zufall! Klar, hier geht es nicht um Kriminal Delikte, sondern um die Schaffung von Rahmenbedingungen für Innovation in der digitalen Gesellschaft. In dem handlichen, knapp 70 Seiten starken Buch, zeichnet er einen Ansatz den er, einer Case Study gleich, bei der niederländischen Firma seats2meet.com beobachtet hat und genau beschreibt. Im Untertitel des Buchs formuliert er den Ansatz als „Business Model for Society 3.0“, was mir erstmal komisch klingt (Sebastian hat mir das Printbuch vor vielen Wochen persönlich zugesendet, fyi) und diese sperrige Nummerierung erschließt sich mir auch nach einiger Zeit nicht.

Aber worum geht es hier eigentlich? Hier geht es um einen Ansatz, der in den Niederlanden sehr erfolgreich praktiziert wird, nämlich um die kostenlose Bereitstellung von Infrastruktur (Raum, Drinks, Food) und die Philosophie dahinter, dass eine Bezahlung durch eine neue andere Währung erfolgt – durch ‚kreativ Kapital‘. Doch wie funktioniert das? Derjenige der diese freie Infrastruktur zur Verfügung stellt bietet „added value“ in Form von Meetingräumen o. ä. die die Besucher dazu buchen können. Als NutzerIn der Infrastruktur willige ich ein, sowohl Online also auch auf Screens in der Location, a) mit meinem sozialen Profil dort angezeigt zu werde (mich also einchecke) und b) für die Ansprache der anderen BesucherInnen zur Verfügung stehe. Ich also mein Wissen der temporären Community an diesem Ort zur Verfügung stelle. Kern dieser Überlegung ist also die ungerichtete Bereitstellung einer Plattform, mit gewissen Spielregeln, um Zufall Raum zu geben – diesen also zu befördern.

Anhand des konkreten Beispiels seats2meet gelingt es Sebastian die Basismechanismen einer vernetzen und mehr auf die Freelance-Kultur ausgerichteten Gesellschaft zu beschreiben. Er nutzt dafür nicht nur Creative Commons Lizenzen beim texten sondern beschreibt auch die Reproduzierbarkeit des Konzepts. An vielen Stellen beschreitet er Neuland und nutzt neue Begriffe wie Fanchise, was am genannten Beispiel, die weitere Verbreitung der Co-Working-Infrastruktur ermöglicht. Ich kann den Download also erstmal nur empfehlen und wünsche mir, dass viele Leute an der Lesung am 22.03.2013 im Aufbau Haus am Moritzplatz teilnehmen. Leider werde ich nicht da sein. Ich kann doch, Generalabsage.

Trotzdem habe ich einige Fragen zu diesem Rückzahlungskonzept, denn die ungerichtete Bereitstellung von eigenen Ressourcen ist ja nicht unbedingt neu. Der Punkt den der Text umreißt ist ja eher der, dass man als Teil einer Gemeinschaft den Nährboden für etwas unerwartetes zur Verfügung stellt. Im Kern geht das Konzept also zurück auf Mechanismen die schon bei Jägern und Sammlern eine Rolle spielten – Unberechenbarkeit. In dieser digitalen Welt jedoch ein seltener werdendes Gut. Dieses Momentum zu erzeugen – oder dafür gar eine Maschine zu haben – ist ein sehr umfassender Ansatz. Nur das eine Beispiel der seats2meet.com dafür zu nutzen ist mir zu wenig. Ich verstehe vielmehr diese Arbeit als Kapitel eines umfassenderen Werkes was zu dem Thema „Urbarmachung des Zufalls“ entstehen sollte. Sebastian: there is work to do! I’m in.

Angehen: 2013

Wow! Das Jahr hat jetzt erst zwei Wochen und ich habe schon meinen Rekord in Terminverlegungen eingestellt. Zumindest fühlt es sich so an, dass jede Menge der Termine, die ich dieses Jahr schon mal hatte, doch wieder verschoben werden mussten. Aber egal. Ob re:publica, newthinking, TeBe oder neue Projekte: 2013 wird hot.

Für die #rp13 werden wir so international und Start-Up-orientiert wie nie (watch out!!), bei newthinking wechseln wir die Büro’s intern und nehmen noch neue Flächen dazu, seit 2013 mache ich für TeBe einen Teil der Mitgliederverwaltung. Diese erfolgt durch das DFBnet. Diese Plattform dient als Mitgliederverwaltung für den Verein, ist aber auch die zentrale Einheit für den Spielbetrieb.

Subkonferenzen, Torstraßenfestival (31.08.13) oder unser exklusiver SoHo-House-Event beschleunigen in diesen wenigen Wochen die Entwicklungen und nicht vergessen: 21. – 23. Juni 2013 frei halten: newthinking 10 years‘ brithday bash!

Eigene Infrastrukturen? Mangelware!

Endlich hatte ich mich im Sommer 2012 auch aufgerafft. Endlich ein eigenes Blog! Nicht nur die klaren Ansagen von Sascha auf der re:publica waren der ausschlaggebende Grund sondern das Interesse an eigenen Infrastrukturen. Gestern hat Johnny auf Spreeblick in einem eindringlichen Appell auf den gleichen Sachverhalt hingewiesen: 2013: Das Web zurückerobern, richtig so! Natürlich kann man Johnny’s Analyse nur zustimmen. Insbesondere die proprietären System sind ein großes Problem. Zur Einführung des iPads hatte ich auf ZEIT Online darauf hingewiesen und in diversen Publikationen davor und danach. Die Frage ist: was ist die Konsequenz daraus? Ich hoffe, dass wir Ende 2013 schlauer sind! Und: Ja! 2013 mehr Blogs bitte!

TeBe Barcamp 3.1

Galerie

Diese Galerie enthält 18 Fotos.

Heute haben wir von Tennis Borussia Berlin die Fortsetzung unseres dritten Barcamps gemacht. In dem Kreativspace von newthinking haben wir unsere Diskussionen zum Thema Außendarstellung des Vereins vertieft. Dabei haben wir spannende Ideen entwickelt. U. a. wollen wir in den … Weiterlesen