Oberholz 2

Heute bin ich an der Zehdenicker Str. 1 vorbeigekommen. Koulla und Ansgar haben sich kurz Zeit genommen mir die neuen Räume des Sankt Oberholz zu zeigen. Sehr anstrengend ein ganzes Haus neu zu bespielen!

NEIN: der Laden am Rosenthaler bleibt, hier handelt es sich um eine weitere Location mit Co-Working, Büros und einem Cafe. Neuer Wind also in Mitte!IMAG1054

Ab die Tage wird eröffnet. Ich freue mich drauf. Hier einige Bilder:

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Berlin, Berlin – wir gründen in Berlin!

Dieser Artikel ist im newthinking Magazin ‚Open Everything‘ im Mai 2013 erschienen:

Viele gründen Start-ups in Berlin, viele Zaungäste stürzen sich darauf – aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Absichten. Verhindert werden muss jedoch, dass kreatives Innovationspotenzial auf dem Weg einer Anpassung an klassische Venture-Capital-Strukturen auf der Strecke bleibt.

Worum geht es bei der Diskussion um den Start-up-Standort Berlin: Um die Stadt? Um die Community? Um den eigenen Geldbeutel? Was sind die relevanten Fragen? Züchten wir Unternehmenszombies für die vorhandenen Business-Strukturen heran? Bilden wir nicht sogar künstliche Ruinen? Prof. Dr. Kai Vöckler hat sich in seinem Buch Die Architektur der Abwesenheit. Über die Kunst, eine Ruine zu bauen mit der Kulturgeschichte der Chimäre auseinandergesetzt und kommentiert in einem Kurzgespräch:

In deinem Buch beschreibst du eine lange Tradition der nutzlosen Architektur, die allein zur Erbauung der Betrachter entwickelt wurde. Sie hat viel mit Zeitgeist und Weltbildern zu tun. Was hat es damit auf sich?

Du meinst die antikisierten künstlichen Ruinen, wie sie in den Landschaftsparks gebaut wurden. Ich würde diese nicht als nutzlos bezeichnen, denn sie dienen ja, wie du selbst sagst, der Erbauung – wie der Park auch. Ich würde sogar sagen, dass sie einen Erkenntnisgewinn versprechen, wenn man sich auf sie einlässt. Nicht nur erinnern sie an die Vergänglichkeit der Dinge und des Lebens, sondern können auch einen wichtige kulturelle Funktion haben, indem sie etwa einen Bezug zur Antike herstellen, auch wenn die Griechen und Römer nie in Kassel oder Dessau waren. Man kann das als Fake abtun, unterschätzt dann aber die wichtige sinnstiftende Wirkung solcher künstlich ruinierten Monumente.

Wie schätzt du eine neue Start-up-Kultur in Berlin und in Deutschland ein: Drohen hier, im übertragenen Sinne, nicht auch künstliche Ruinen?

Das liegt in der Natur der Sache. Nichts ist von Dauer, und manchmal stellt sich der Verfall schneller ein, als man möchte. Umso interessanter ist, dass einige Künstler und Architekten das unweigerliche Verschwinden ihrer Kunstwerke mitdenken und zum Thema machen. Das kann man von der Start-up-Kultur nun nicht erwarten, hier geht es ja um Kommerz und nicht um Kunst. Da ist jedes Scheitern natürlich unwillkommen. Künstler sehen das anders. Um Beckett zu zitieren: »Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.« [1]

Was hältst Du von einer Erweiterung der Begrifflichkeit Creative Entrepreneurship?

Den »Entrepreneur«, der sein Scheitern zum Thema macht, habe ich noch nicht kennengelernt. Der wäre wirklich etwas Neues.

Um zu scheitern, muss man erst einmal anfangen. Nur dann kann man auch verlieren. Für Berlin gilt es ja in diesen Tagen vor allem dazu zu gehören – zu dieser förderwürdigen Crowd von Gründern, die die Investoren überzeugen. Im internationalen Kontext gibt es hingegen keine Anzeichen, dass Berlin eine relevante Rolle spielt. Eine Liste des Benchmarking-Projekts Startup Genome [2] sieht erwartungsgemäß auf Platz 1 Silicon Valley, auf dem zweiten Rang folgt die israelische Metropole Tel Aviv. Auffallend viele US-amerikanische Regionen haben den Sprung in die Top Ten geschafft. Berlin landet auf Platz 15.

Die Relevanz der Berliner-Start-up-Szene steht in keinem Verhältnis zu ihrer Selbstwahrnehmung. Es scheint so, dass die Akteure den Standort sehr überschätzen und immer mehr weitere Marktteilnehmer auf diesen Zug aufspringen. Das macht aber noch keine einzige neue Firma, sondern vergrößert nur die Diskrepanz zwischen Realität und Fiktion. Aus diesem Grund ist es umso entscheidender, einige Eckpunkte zu beherzigen, möchte man sich erfolgreich und fördernd in der Gründerszene bewegen.

Anstelle der Interessen von Investoren sollte insbesondere der Unternehmergeist aufstrebender Akteure gestärkt werden. Ziel sollte es sein, offene IT- und Webwelten zu stützen und keine neuen Monopole errichten zu wollen, nur weil sie den größten Profit versprechen. Berlin muss sich als Standort für ein offenes Web wahrnehmen und positionieren, denn unsere aktuellen Möglichkeiten der Kreativität strahlen weit über den engen Start-up-Horizont hinaus. Berlin ist eine DIY-Capital! Musik und Kunst sind im besten Sinne Standortfaktoren. Daher sind die Verdrängungsprozesse durch hochfinanzierte Venture-Capital- und Start-up-Unternehmen als Bedrohung der Kreativen-Ursuppe Berlins zu verstehen und verhindern (lustigerweise) die wirtschaftliche Gesundung der Stadt, denn sie sind nicht unbedingt nachhaltig oder gar fair. »Die allermeisten Start-ups verschwinden wieder«, sagt Alexander Hülsing vom Gründerszeneportal deutsche-startups.de, denn, so fährt er fort: «Die Erfahrung des Scheiterns ist Teil der Kultur.« [3]

Etliche UnternehmerInnen geben auf, wenn ihre Ideen nicht den erhofften Erfolg erbringen. Und suchen sich einen neuen Arbeitsplatz als Angestellte. In den USA scheint das anders zu sein. Wenn ein Projekt scheitert, wird ein neues in Angriff genommen, und sollte es wieder nicht funktionieren, folgt ein weiterer Versuch. Hüsing macht klar: »Wir müssen daran in Deutschland arbeiten, dass Scheitern kein Makel mehr ist.« Laut einer Studie [4] des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) liegt das Durchschnittsalter von GründerInnen der IT-Branche in Deutschland bei 38 Jahren und ist damit relativ hoch. Da kann man auch sagen: Es ist noch nicht zu spät. Wichtig ist die nachhaltige Dimension des Gründens. Lieber viele kleine gesunde Unternehmen als wenige hochgezüchtete.

Das Steffi-Graf-Stadion im Berliner Grunewald (52°29’5”N 13°15’27”E) wurde 1996 erbaut und bietet Platz für über 7.000 BesucherInnen. Seit Jahren jedoch liegt es fast unbenutzt brach. Könnte es so auch der Berliner Start-up-Szene ergehen? Photo: Andrea Grützner

 

[1] Samuel Beckett: Worstward Ho, New York City 1983

[2] Joachim Hackmann in der Computerwoche vom 26.3.2013

computerwoche.de/a/wo-startups-am-besten-gedeihen,2529511

[3] Interview im Kölner Stadt-Anzeiger

ksta.de/wirtschaft/bitkom-muenchen-und-berlin-sind-startup-hauptstaedte,15187248,20801330.html

[4] bitkom.org/73980_73972.aspx

Kai Völcker kai.voeckler.de

Eigene Infrastrukturen? Mangelware!

Endlich hatte ich mich im Sommer 2012 auch aufgerafft. Endlich ein eigenes Blog! Nicht nur die klaren Ansagen von Sascha auf der re:publica waren der ausschlaggebende Grund sondern das Interesse an eigenen Infrastrukturen. Gestern hat Johnny auf Spreeblick in einem eindringlichen Appell auf den gleichen Sachverhalt hingewiesen: 2013: Das Web zurückerobern, richtig so! Natürlich kann man Johnny’s Analyse nur zustimmen. Insbesondere die proprietären System sind ein großes Problem. Zur Einführung des iPads hatte ich auf ZEIT Online darauf hingewiesen und in diversen Publikationen davor und danach. Die Frage ist: was ist die Konsequenz daraus? Ich hoffe, dass wir Ende 2013 schlauer sind! Und: Ja! 2013 mehr Blogs bitte!

NOAH, Google Campus & LeadersIn – My week in London

Letzte Woche habe ich mal wieder London besucht. Grund waren diverse Konferenzen und einige geschäftliche Termine. Los ging es am Abend des 06.11. mit der Party der NOAH-Conference in der Battersea Power Station – bekannt von dem Cover des Pink Flyod Albums Animals.

Battersea Power Station

Die Party war ganz nett, aber leider schossen die Veranstalter etwas über das Ziel hinaus. Sie präsentierten nämlich mehrere Gruppen leicht bis nicht bekleideter Damen (Latex, Body-Painting …) zur Unterhaltung der (vorwiegend männlichen) Gäste. Die Reaktion war 50/50. Die einen zückten das Handy, die anderen drehten sich etwas verschämt weg.

Durch einen Zufall landete ich dann noch in dem neuen und schwer angesagten Bar Club Bodo’s Schloss.

Dort konnte ich live sehen, wie Parties in London von den oberen 10.000 so gemacht werden. Der Style war komplett German. Verrückt. Eine Mischung aus Skihütte und Oktoberfest.

Am nächsten Tag hatte ich dann einen ganzen Tag auf der NOAH-Conference. Dort trafen sich über 1.000 Start-Ups und Investoren um über B- und C-Runden der Finanzierung zu sprechen. Stark fand ich die Debattenrunden Leading Women and Their Start-Ups und Israel Panel – Part II: Finding EBITDA in the Holy Land.

Leading Women and Their Start-Ups

Der Summit of newthinking durfte dort natürlich auch nicht fehlen:

Nach einem schönen Abend mit Antje in einigen Pubs rund um Angel durfte ich dann am nächsten Morgen den Google Campus besuchen und dort etwas co-worken. Der claim dort: „Let’s fill this town with startups“.

Weiter ging es in der Londoner Börse mit einer Veranstaltung von LeadersIn Business mit den CEOs; Ronan Dunne, CEO – O2 Telefónica und Robert Senior, CEO – Saatchi & Saatchi Europe, Middle East and Africa. Beides wirklich spannende Unternehmenschefs, die von ihrer Arbeit mit ihren Team erzählt haben.

Nach einem weiteren Businessmeeting im Brown’s Hotel ging es dann wieder zurück nach Berlin.

Fazit

Berlin tut sehr gut daran sich, wenn überhaupt, als kontinentaleuropäische Start-Up Hauptstadt zu positionieren. London ist da noch ein anderes Kaliber.

Old school: Alte Artikel hier gesammelt

Leider habe ich in den letzten Jahren viel zu wenig Artikel geschrieben oder gebloggt. Einige konnte ich aber doch unterbringen und veröffentlichen. Diese werde ich nun immer mal wieder hier unterbringen. Den Anfang mache ich heute mit einem Stück über die „Drei Generationen der Open Source Revolution“ oder die „Neo-Nerd-Gesellschaft“.

Wie seht ihr das mit den drei Open Source Generationen?

Hier findet sich ein fast zehn Jahre alter Artikel von mir zum Thema Linux und „Eine bedingungslose Kultur der Offenheit“ aus einer Sonderbeilage der taz.

Netzaktivismus: „Warum hackt ein Hacker? – Weil er es kann.“

Über das Verhältnis von politisch aktiven Technikern und Technik nutzenden Aktivisten gibt es nicht viele Ausarbeitungen. Andreas Gebhard versucht in diesem Kommentar das Thema abzustecken und wagt einen Ausblick in die Zukunft. [Erschienen ist dieser Artikel im Märu 2011 im t3n Magazin Printausgabe und im November 2011 auch Online]

Netzaktivismus und öffentliche Einflussnahme auf das Internet finden sich regelmäßig in den Mainstream-Medien wieder. Experten streiten darin über die direkten oder indirekten Effekte der Digitalisierung auf das politische Leben. Die „Guttenberg-Generation“ mit dem Bundesverteidigungsminister als Gallionsfigur jubelt: „Twitterrevolution abgesagt, das Netz hat kaum Einfluss auf politische Prozesse“. Aber stimmt das? WikiLeaks beispielsweise ist derzeit eines der größten Themen in der internationalen Politik. Selten zuvor haben einige wenige Personen aus dem Hackeruniversum so stark die Medien bestimmt. Nur: Gibt es „den“ Hacker überhaupt?

Kampf um Freiheiten

„Warum hackt ein Hacker? – Weil er es kann.“ Mit diesem Kalauer sieht sich jeder früher oder später konfrontiert, der sich näher mit der „Macht der Hacker“ auseinandersetzt. So salopp und einfach das klingen mag, gibt es mehr Aufschluss über die Kultur, die Beweggründe für digitalen Aktivismus oder das Web, als es zunächst den Anschein hat.

Kern jeder netzpolitischen Auseinandersetzung der letzten Jahre und Jahrzehnte ist der Kampf um Freiheiten: Freiheit des Ausdrucks, Freiheit der Anwendung von Können sowie die Kultur des freien Umgangs mit Wissen und Inhalten. Diese Diskussionen haben ihren Ursprung in dem menschlichen Grundbedürfnis, jederzeit die Kontrolle über die Maschinen zu bewahren und sind tief in der Hacker-Ethik verankert. Sie sind somit ähnlich konstitutiv für diese Szene wie die Ökologie für die Grünen.

Politische Prozesse und Entscheidungen beeinflussen von jeher die gesellschaftliche Agenda und somit auch die der technologischen Eliten. Aber auch das Private, also die persönliche Einmischung, ist schon immer politisch.

Open Source ist längst Mainstream

Durch die explosionsartige Verbreitung von günstiger technischer Ausstattung ist ein Punkt erreicht, der eine gesamte Generation in die Lage versetzen könnte, direkten Einfluss auf technische Innovationen zu nehmen. Doch hat sich die Lage in den letzten Jahren dramatisch geändert. Die permanente Open-Source-Revolution ist längst Bestandteil des Mainstream-Innovationsprozesses. Sie hat zwar selbst diese wirtschaftliche Aneignung umwerfend gut überlebt, doch sehen sich die Protagonisten einem Gegner gegenüber, der mit den eigenen Mitteln zu kämpfen weiß.

Ganz gut lässt sich die Demarkationslinie vielleicht zwischen „finanzschwachen Nerds mit guten Ideen“ und „finanzstarken Nerds, die sich alles herausnehmen können“ ziehen. Die Erstgenannten kämpfen mit den unterschiedlichsten Mitteln gegen Zensur, für Netzneutralität oder an der Seite des Time-Magazine-Coverboy Julian Assange für WikiLeaks. Die anderen, die die Seite gewechselt haben, arbeiten für die großen Medienhäuser und Unternehmen der IT-Brachen und haben ihr Wissen und ihre Macht somit „der anderen Seite“ zur Verfügung gestellt. Ein gutes aktuelles Beispiel ist hier die Gegenüberstellung der Macher von WikiLeaks und Facebook.

Open-Source-Bewegung, die dritte

Die Geschichte der Open-Source-Bewegung lässt sich wiederum ganz grob in drei Generationen einteilen. Die erste, mit Freier Software und Vorgängermodellen aufgewachsene Generation, die die grundlegende Aneignung der technischen Ressourcen vorantrieb (in etwa bis zur Einführung von Linux). Eine zweite Generation, die mit Begriffen wie Open Source arbeitend dem kommerziellen Erfolg offener Ansätze zum Durchbruch verholfen hat (in etwa bis zur Einführung von Android). Sowie einer dritten, irgendwann rund um 1990 geborenen Generation von technik-affinen Menschen, die in den letzten Jahren die Welt der Cloud und des „Echtzeitnetzes“ übernommen hat.

Somit kommen drei Entwicklungen zusammen, die bei der Betrachtung des aktuellen Netzaktivismus berücksichtigt werden müssen: die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Technik und Internetzugang, die Spaltung der Szene in „gut & böse“ und der aufkommende Generationenkonflikt in der Szene.

Die klassische Aufteilung in Hacker und Nicht-Hacker funktioniert nicht mehr, wenn die klassische Technikwelt allen durch Angebote zur Verfügung steht. Das gilt natürlich in erster Linie für den freien Austausch von Information, aber auch in Ansätzen schon heute für politische Intervention à la „Operation Payback“, bei der Hacker all jene Unternehmen ins Visier nahmen, die WikiLeaks die Unterstützung entzogen hatten.

Die „Neo-Nerd-Gesellschaft“

Doch ist die Kluft zwischen den politisch Handelnden und der „Neo-Nerd-Gesellschaft“ noch sehr groß. Dass das Problem einer potenziell mächtigen Generation in der Findungsphase durch die aktuelle Politikerriege erkannt ist, zeigen die unzähligen runden Tische und Enquete-Kommissionen, in denen die „Netz-Community“ in politische Prozesse eingebunden werden soll – Ausgang unbekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass weder der Kampf gegen Zensur noch für Netzneutralität und Meinungsfreiheit in diesen Runden gewonnen wird.

In Deutschland hat die Debatte unfreiwillig komische Züge. Ironischerweise haben wir es hier mit einer zweifachen Generation Gut(t)enberg zu tun. Auf der einen Seite die smarten Pragmatiker wie Philipp Rösler oder Karl-Theodor zu Guttenberg, die mit viel Verve die Politiklandschaft aufrollen. Auf der anderen Seite die Verleger als Nachfahren des Druckerpresse-Erfinders Johannes Gutenberg. Beide haben einen konservativen Mainstream geformt mit ihrem Geld, den Beziehungen und Denkschablonen – natürlich auf ihre individuelle Weise. Doch stehen sie beide den Freiheiten und der Macht des „Machen könnens“ diametral entgegen.

Manche haben in den letzten Jahren versucht, die politische Landkarte durch die Unterstützung der Piratenpartei zu verändern. Möglich, dass das Aufkommen dieses Phänomens zu einem ersten Aufhorchen im etablierten Politikbetrieb geführt hat. Kritisch betrachtet könnte man diese Entwicklung aber auch als letztes Aufbäumen einer Hackerkultur interpretieren, die in ihrer Homogenität schon nicht mehr den gesellschaftlichen Realitäten entsprach.

Die klassische erste und zweite Open-Source-Generation muss begreifen, dass die millionenfache Nutzung von offenen Technologien dazu geführt hat, dass die Netzwelt weniger monopolistisch ist als vielfach befürchtet. Der Dreiklang „Erkennen, Vernetzen, Handeln“ sollte um einen Wissens- und Wertschätzungskanon gegenüber anderen digitalen Biographien ergänzt werden. Nur so immunisiert man sich gegenüber aktuellen Herausforderungen und steht nicht auf einmal auf einer Seite mit Häuserverpixlern und Facebookbashern, sondern kann sowohl intellektuelle als auch technologische Alternativen bieten.

Für eine neue Kollaborationskultur

Wenn es also in der Zukunft gelingen könnte, Akteure unterschiedlicher digitaler Lebensaspekte unter einem Dach zu vereinen und das über Generationen hinweg, entstünde eine neue Form der Emanzipation des Einzelnen, die weit über vergangene Vereins-, Gruppen- oder Parteistrukturen hinaus gesellschaftliche Relevanz und Strahlkraft erzielen könnte.

Die Auseinandersetzung über die Kontrolle des Netzes und der technischen Infrastrukturen hat erst begonnen und die Chancen stehen gut, mit einer bedingungslosen Kultur der Offenheit auch in 20 Jahren noch sagen zu können: Offen ist gut, frei ist besser.

(Lizenz: CC-BY)