Save the date: Di. 16.09.14 Inselstadt Gartenfeld _ Startup City für Unternehmens- und Familiengründer

Am kommenden Dienstag nehme ich an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Inselstadt Gartenfeld teil.

K@belwerk G@rtenfeld
Von der Elektropolis zur Digitopolis
Berlin entwickelt sich heute zum wichtigsten Internet-Standort Europas.
Standortvorteile sind niedrige Gewerbemieten und die günstige „Work-Life-
Balance“ von Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit. Diese Berliner Mi-
schung bieten die Gründerzeit-Stadtteile mit Geschossbauten und Hinter-
höfen, einstigen Fabriken und Brauereien. Mit dem Aufschwung Berlins und
wachsendem Zuzug geraten diese innerstädtischen Quartiere unter Aufwer-
tungsdruck, der die Spielräume der Kreativwirtschaft einengt. Er lenkt den
Blick auf noch unentdeckte Zukunftsorte an der Peripherie der Berliner In-
nenstadt wie das ehemalige Kabelwerk Gartenfeld in Spandau. Die Modemesse
Bread & Butter gastierte 2003-2007 in den historischen Hallen und öffnete
den Blick für neue Nutzungsperspektiven. Jetzt soll als städtebauliches
Pilotprojekt ein modernes Stadtquartier in Berliner Mischung entstehen,
die „Inselstadt Gartenfeld _ Startup City für Unternehmens- und Familien-
gründer“.

11 – 12.30 Uhr

Ortsbesichtigung

Busrundfahrt mit Besichtigung und Vorstellung:

– 5geschossiges „Startup Labor“ für Digital- und Kreativwirtschaft

– Hallen für Industrie, Handwerk und Technologie

– Industriedenkmäler: historisches Heizwerk, Kabelhalle mit Kreuzgang
und „Kabelkathedrale“

– Blick von Krangondel über Werksgelände, Tegeler See und Forst

12.30 – 13 Uhr

Präsentation

Pläne und Modell der Inselstadt Gartenfeld

Martin Menrad, Geschäftsführer PROPOS GmbH

13 Uhr

Diskussion

Frage- und Diskussionsrunde mit:

Carsten Röding, Baustadtrat Spandau

Andreas Gebhard, Multi-Preneur und Gründer, Veranstalter „re:publica“

Martin Menrad, Geschäftsführer PROPOS GmbH

Jens Schönwetter, IFM Inselstadt Facility Management GmbH

Moderation: Andreas Krüger, belius GmbH

Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und
Raumordnung 1995-2009

Die Teilnahme ist kostenlos.
Um Anmeldung wird gebeten: Stichwort: Gartenfeld an
info@architekturpreis-berlin.de.

Mitgedacht bei: „Die Sache mit Silicon Valley und Europa“

Werde mal dem Aufruf von Nico Lumma folgen und einige Punkte ergänzen:

Man kann es für einen tollen Schachzug der SXSW halten, zum ersten Mal genau auf den Termin der CeBIT zu gehen, bzw es für eine besonders unvorsichtige Aktion der CeBIT halten diesen Termin zu nutzen (dabei ist es unerheblich wer zuerst geplant / verkündet hat) – fest steht, so schlecht stand der Hannoverevent noch nie da (was Nico sagt). Wahrscheinlich ist die Terminwahl eh nur Zufall. Mir erscheint der Vergleich der beiden nicht Millionenmetropolen (Hannover +- 500k, Austin +-800k) und ihrer Leitevents nur in geringem Maße aussagekräftig, denn in Austin ging es immer um Kulturindustrie (Film, Musik, Interactiv) und in Hannover ging es immer um Mittelstand und Industrie IT.

Beide “Welten”, die deutsche Start-Up-Kultur und das Silicon Valley, miteinander zu vergleichen ist mittlerweile eine der langweiligsten Dinge über die man sprechen kann. Nicos Ansatz, auf die EU zu schauen und hier nach Ressourcen zu suchen, um Internet-Hightechunternehmen zu entwickeln halte ich für aussichtsreicher. Dabei fehlt mir aber ein wirklich entscheidender Ansatz: es geht eigentlich immer nur um die schnell skalierenden Businessmodelle und nicht um die gesamte Infrastruktur drumherum. Es geht nicht um die Anhäufung von genug schöpferischen Potenzial oder die Anziehungskraft von Metropolen (wenn man hier Austin und Hannover vergleicht…). Berlin hat in Deutschland vielleicht einen riesigen Anteil an VC-Invests. Gegenüber Investitionen im Valley kann das nur ein marginaler Bruchteil sein (Wer das mal ausrechnen oder verlinken mag…). Der Punkt ist doch ein anderer:

Elisabeth Oberndorfer, deutschsprachige Techjournalistin im Valley fasst das gut zusammen in ihrem Artikel ‘Was ich in einem Jahr in San Francisco gelernt habe’: Europäer blicken in Schockstarre in den Westen und warten darauf, dass Silicon Valley ein Geschäftsmodell entdeckt, das Erfolg garantiert (“Looking at you, Medienbranche”). Das gibt es jedoch in keiner Industrie. Monetarisierung spielt in Tech-Unternehmen erst in einer späteren Phase eine Rolle. Und ist es soweit, funktionieren unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Unternehmen. Kombinieren, variieren, experimentieren und bei Misserfolg noch einmal von vorne anfangen, ist wohl die einzige Methode, die man hier als Erfolgsmodell bezeichnen kann.“

Das ist für mich der zentrale Punkt (Frag mal Soundcloud, fast ein Wunder, dass es sie noch gibt), es geht in Deutschland sofort um die Verwertbarkeit im Rahmen der Start-Up-Finanzierung und nicht um die Idee und ihre Potenziale. Deshalb hängen in Deutschland auch immer die gleichen Leute auf den relevanten Events und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Große Unternehmen geben Brosamen für eine Menge Anteile an einer Idee die ihnen auf dem Silbertablett in regelmäßigen Abständen gepitcht wird.

Wenn wir unsere Internetwirtschaft also wirklich auf globales Niveau bringen wollen, bringt es nix, einem Zug der schon ewig abgefahren ist nachzulaufen. Wir brauchen ein Sofortprogramm mit öffentlichen und privaten Mitteln finanziert, aus dem Risikobereitschaft und Innovation finanziert werden kann. Die EU macht da ja erste Schritte in der Vereinfachung der Förderung. Viel wichtiger ist aber, dass unsere GründerInnen nicht nur dem Start-Up-Paradigma folgen und an jeder Ecke der coole VC finanzierten Unternehmern gehuldigt wird. Hier werden Rollenmodelle entwickelt, die eine verlorene Generation nachsichziehen können (und nebenbei einen Braindrain bei anderen lokalen Firmen auslösen).

Europa, Deutschland, Berlin oder Hamburg – alle setzen auf ein Paradigma und händigen ihre Ideen über kurz oder lang internationalen Investorengruppen aus (Frag mal bei der Noah nach, wo die dreistelligen Millionenbeträge der VC-Fonds herkommen).

Solange öffentliche Mittel in der Forschungsbürokratie, bei Standortinitiativen oder in selbstgestrickten VC-Instrumenten untergehen werden wir keinen GründerInnenfrühling bekommen sondern weiter im Dunklen sitzen. Aber wie schon Rio Reiser sang: “Wenn die Nacht am tiefsten …

Und ja, es braucht noch viele weitere Ergänzungen …

Idea Sheet – Wie sammeln, teilen und dokumentieren wir unsere Ideen?

Schon immer plage ich mich mit der Frage: wie kann ich Ideen, die ich habe oder gemeinsam mit anderen entwickele – einfach, übersichtlich und realistisch – aufschreiben und dokumentieren?

Man kennt das, wieder eine tolle Idee für ein Projekt, ein Problem was man erkennt und reparieren könnte oder eine Funktion, die jeder doch auch benötigt. Runterschreiben, skizzieren, eine Mindmap oder gleich einen Businessplan aufstellen – nur so bringt man die Idee zum leben. Aber dann tauchen viele Fragen auf: Wem soll ich davon erzählen? Mit welcher Innovationshöhe [sic!] und in welchem Umfang?!

EINE, Lösung für diese Fragen kann gleich beim Skizzieren der Idee gefunden werden: das Idea Sheet. Zusammen mit Claudia Brückner habe ich diesen Leitfaden in den letzten Wochen entwickelt.

Auf zwei Seiten kann eine Idee formuliert und kategorisiert werden. Mit dem Ergebnis könnt Ihr auf einer übersichtlichen Basis weitere Schritte kalkulieren und ermöglicht eine gewisse Vergleichbarkeit eurer Ideen.

Wir sind an Eurem Feedback interessiert!

Das Idea Sheet ist unter der CC BY-SA 4.0 erschienen. Ihr könnt es also teilen, verwenden und ändern. IDEA SHEET_beta Version_29Jan2014

iTHINKi – Unsere ‚Little Data Company‘

Die Geschichte startet mit einer Android App mit dem Namen iTHINKi. Bitte probiert sie hier aus! Check unsere Webseite, folge uns auf Twitter oder kommt in unsere Facebook-Gruppe.

Im Moment ist iTHINKi nur ein einfaches Smartphone-Tracking-Device, aber mit einem kleinen Unterschied. Der Unterschied liegt darin, dass wir nicht vor haben, jemals Eure Daten zu tracken. Klingt komisch, klar, aber die Realität ist, dass sich Unternehmenswachstum und ‚Big Data‘ meist darum drehen, dass die Unternehmen mehr über dich wissen als du selber. Darin liegt ihr Wettbewerbsvorteil. Wir glauben, deshalb solltest Du Dich, mit unserer Technologie beschäftigen.

Unser Ziel ist es Dir die Möglichkeit zu geben, von den Daten die Du generierst zu profitieren, sie zu verstehen und Spaß damit zu haben. Wir wollen es Dir einfach machen, Deine Daten zu lesen, zu managen, zu ändern oder was immer Du damit tun möchtest. Wir bauen Tools, damit Du Deinen eigenen Datengarten abstecken kannst. Wir können andere (noch) nicht aufhalten, Deine Daten zu sammeln, aber wir können, einfach gesagt, Dir die Möglichkeit geben Deine eigenen Daten selbst bestimmt zu nutzen.

Im Moment musst Du nicht mal unsere „Terms & Conditions“ akzeptieren, denn wir haben keine – das ändert sich vielleicht mal, was wir jedoch haben und was Du von uns bekommst sind unsere Hoffnungen und Träume. Wenn es schlecht läuft, dann bleibt iTHINKi nur eine einfach Seite im Netz. Wie auch immer, wir brauchen keine Privacy Policy, denn wir wollen Deine Daten gar nicht haben. Sie bleiben bei Dir!

Wir geben Dir Werkzeuge damit Du Deine eigenen Daten befreien kannst. Du kannst sie löschen, exportieren oder speichern, wie Du magst! Genau das ist es was mit mit ‚Little Data Company‘ meinen.

Die Idee, die Bewegung, das Unternehmen bauen auf dem Versprechen unserer Ehrlichkeit. Dieses Vertrauen ist der einzige Vorteil den wir haben. Aber warum uns vertrauen? Wir haben begonnen aufgrund unserer gemeinsamen Leidenschaft für Open Source, Free Software, Mobile und Soziale Technologien. Wir glauben, dass der bessere Deal und einfachste Weg nach vorn lautet: Die Daten die Du generierst sind Deine! Wir sind auf dem Weg es Dir einfach zu machen etwas nützliches mit Deinen Daten zu tun. In der Zukunft werden wir sicherlich unabhängige Auditoren damit beschäftigen unsere Ehrlichkeit und testieren und somit Euer Vertrauen zu rechtfertigen.

Wie wollen wir die Ideen von iTHINKi realisieren? Es ist so einfach, dass wir uns wundern, dass noch niemand (den wir kennen) so etwas anbietet. Wir wollen eine Open Source Bewegung aufbauen, die die individuellen Nutzerrechte steigert und die Möglichkeit liefert, die eigenen Daten besser zu verstehen und davon selber zu profitieren – wir helfen Dir Dein digitales Leben besser zu verstehen. Trotz allem, nur weil du tippst, klickst, roamst, teilst, chattest, knipst, dich einloggst oder was immer Du Online tuest: das bedeutet noch lange nicht, dass dir deine Daten nicht gehören! Es sind Deine Daten und wir hoffen, wir können Dir helfen sie zurück zu bekommen!

First things first:

  • Alle Daten die iTHINKi für Dich sammelt gehören dir
  • die Daten bleiben auf Deinem Gerät und werden von uns nicht gelesen
  • Du kontrollierst Deine Daten
  • Du kannst sie exportieren und damit machen was du magst
  • Du entscheidest welche Informationen über Deine Daten Du haben möchtest

Aber wie werden wir damit jemals Geld verdienen? Unsere Partner, Freund und Familien fragen uns das natürlich. Also, iTHINKi, die App, wird vielleicht nie Geld verdienen, denn wir sind was Werbefinanzierung angeht zurückhaltend. Es gibt Potenzial für Premium Services, kostenlos auf Zeit oder Einmalkauf im Appstore – aber all das wird unser Userwachstum einschränken und wenn wir daran glauben, dass Informationen für den Nutzer frei zugänglich sein sollte, wären diese Wege schon sehr komisch.

Wie auch immer, vielleicht in der Zukunft … Wenn wir mal genug Nutzer haben, dann können wir Dir als Nutzer ein Angebot machen, mit dem Du vielleicht Geld verdienen kannst, in dem Du Teile Deiner Daten an den höchst bietenden verkaufen kannst. Vielleicht Anonym an Hochschulen, Unternehmen oder Start-Ups, die Dein Datenprofil interessiert und wenn Du diese Informationen mit ihnen teilen möchtest!

Im Moment haben wir keine Wahl. Deine Daten gehören Dir und wir helfen Dir, diese überhaupt erstmal kennenzulernen. Bitte probiere doch unsere App aus. Du kannst sie hier runterladen – bitte sag uns, was Du davon hältst, was Du gern an weiteren Funktionen sehen würdest damit wir eine wirklich kollaborative, dezentralisierten Service schaffen können.

Auf dem Frismakers Festival Berlin habe ich dazu auch einen 300 Sekunden Pitch gehalten. Geht besser, aber war auch der erste überhaupt!

„little data company is making use of the mindset & tools of the start up movement without aiming for VC and profit on the back of user privacy, but with the goal to empower the user instead of big companies this is digital activism applying a business mindset / with a business backbone“.

J.G. Archer, CEO & Founder: Linkedin / Twitter

Arend Jan Majoor, Founder: Linkedin / Twitter

Andreas Gebhard, Founder : Linkedin / Twitter

Mirko Boehm, CTO: Linkedin / Twitter

EndoCode, Tech Partners: Website

Berlin, Berlin – wir gründen in Berlin!

Dieser Artikel ist im newthinking Magazin ‚Open Everything‘ im Mai 2013 erschienen:

Viele gründen Start-ups in Berlin, viele Zaungäste stürzen sich darauf – aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Absichten. Verhindert werden muss jedoch, dass kreatives Innovationspotenzial auf dem Weg einer Anpassung an klassische Venture-Capital-Strukturen auf der Strecke bleibt.

Worum geht es bei der Diskussion um den Start-up-Standort Berlin: Um die Stadt? Um die Community? Um den eigenen Geldbeutel? Was sind die relevanten Fragen? Züchten wir Unternehmenszombies für die vorhandenen Business-Strukturen heran? Bilden wir nicht sogar künstliche Ruinen? Prof. Dr. Kai Vöckler hat sich in seinem Buch Die Architektur der Abwesenheit. Über die Kunst, eine Ruine zu bauen mit der Kulturgeschichte der Chimäre auseinandergesetzt und kommentiert in einem Kurzgespräch:

In deinem Buch beschreibst du eine lange Tradition der nutzlosen Architektur, die allein zur Erbauung der Betrachter entwickelt wurde. Sie hat viel mit Zeitgeist und Weltbildern zu tun. Was hat es damit auf sich?

Du meinst die antikisierten künstlichen Ruinen, wie sie in den Landschaftsparks gebaut wurden. Ich würde diese nicht als nutzlos bezeichnen, denn sie dienen ja, wie du selbst sagst, der Erbauung – wie der Park auch. Ich würde sogar sagen, dass sie einen Erkenntnisgewinn versprechen, wenn man sich auf sie einlässt. Nicht nur erinnern sie an die Vergänglichkeit der Dinge und des Lebens, sondern können auch einen wichtige kulturelle Funktion haben, indem sie etwa einen Bezug zur Antike herstellen, auch wenn die Griechen und Römer nie in Kassel oder Dessau waren. Man kann das als Fake abtun, unterschätzt dann aber die wichtige sinnstiftende Wirkung solcher künstlich ruinierten Monumente.

Wie schätzt du eine neue Start-up-Kultur in Berlin und in Deutschland ein: Drohen hier, im übertragenen Sinne, nicht auch künstliche Ruinen?

Das liegt in der Natur der Sache. Nichts ist von Dauer, und manchmal stellt sich der Verfall schneller ein, als man möchte. Umso interessanter ist, dass einige Künstler und Architekten das unweigerliche Verschwinden ihrer Kunstwerke mitdenken und zum Thema machen. Das kann man von der Start-up-Kultur nun nicht erwarten, hier geht es ja um Kommerz und nicht um Kunst. Da ist jedes Scheitern natürlich unwillkommen. Künstler sehen das anders. Um Beckett zu zitieren: »Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.« [1]

Was hältst Du von einer Erweiterung der Begrifflichkeit Creative Entrepreneurship?

Den »Entrepreneur«, der sein Scheitern zum Thema macht, habe ich noch nicht kennengelernt. Der wäre wirklich etwas Neues.

Um zu scheitern, muss man erst einmal anfangen. Nur dann kann man auch verlieren. Für Berlin gilt es ja in diesen Tagen vor allem dazu zu gehören – zu dieser förderwürdigen Crowd von Gründern, die die Investoren überzeugen. Im internationalen Kontext gibt es hingegen keine Anzeichen, dass Berlin eine relevante Rolle spielt. Eine Liste des Benchmarking-Projekts Startup Genome [2] sieht erwartungsgemäß auf Platz 1 Silicon Valley, auf dem zweiten Rang folgt die israelische Metropole Tel Aviv. Auffallend viele US-amerikanische Regionen haben den Sprung in die Top Ten geschafft. Berlin landet auf Platz 15.

Die Relevanz der Berliner-Start-up-Szene steht in keinem Verhältnis zu ihrer Selbstwahrnehmung. Es scheint so, dass die Akteure den Standort sehr überschätzen und immer mehr weitere Marktteilnehmer auf diesen Zug aufspringen. Das macht aber noch keine einzige neue Firma, sondern vergrößert nur die Diskrepanz zwischen Realität und Fiktion. Aus diesem Grund ist es umso entscheidender, einige Eckpunkte zu beherzigen, möchte man sich erfolgreich und fördernd in der Gründerszene bewegen.

Anstelle der Interessen von Investoren sollte insbesondere der Unternehmergeist aufstrebender Akteure gestärkt werden. Ziel sollte es sein, offene IT- und Webwelten zu stützen und keine neuen Monopole errichten zu wollen, nur weil sie den größten Profit versprechen. Berlin muss sich als Standort für ein offenes Web wahrnehmen und positionieren, denn unsere aktuellen Möglichkeiten der Kreativität strahlen weit über den engen Start-up-Horizont hinaus. Berlin ist eine DIY-Capital! Musik und Kunst sind im besten Sinne Standortfaktoren. Daher sind die Verdrängungsprozesse durch hochfinanzierte Venture-Capital- und Start-up-Unternehmen als Bedrohung der Kreativen-Ursuppe Berlins zu verstehen und verhindern (lustigerweise) die wirtschaftliche Gesundung der Stadt, denn sie sind nicht unbedingt nachhaltig oder gar fair. »Die allermeisten Start-ups verschwinden wieder«, sagt Alexander Hülsing vom Gründerszeneportal deutsche-startups.de, denn, so fährt er fort: «Die Erfahrung des Scheiterns ist Teil der Kultur.« [3]

Etliche UnternehmerInnen geben auf, wenn ihre Ideen nicht den erhofften Erfolg erbringen. Und suchen sich einen neuen Arbeitsplatz als Angestellte. In den USA scheint das anders zu sein. Wenn ein Projekt scheitert, wird ein neues in Angriff genommen, und sollte es wieder nicht funktionieren, folgt ein weiterer Versuch. Hüsing macht klar: »Wir müssen daran in Deutschland arbeiten, dass Scheitern kein Makel mehr ist.« Laut einer Studie [4] des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) liegt das Durchschnittsalter von GründerInnen der IT-Branche in Deutschland bei 38 Jahren und ist damit relativ hoch. Da kann man auch sagen: Es ist noch nicht zu spät. Wichtig ist die nachhaltige Dimension des Gründens. Lieber viele kleine gesunde Unternehmen als wenige hochgezüchtete.

Das Steffi-Graf-Stadion im Berliner Grunewald (52°29’5”N 13°15’27”E) wurde 1996 erbaut und bietet Platz für über 7.000 BesucherInnen. Seit Jahren jedoch liegt es fast unbenutzt brach. Könnte es so auch der Berliner Start-up-Szene ergehen? Photo: Andrea Grützner

 

[1] Samuel Beckett: Worstward Ho, New York City 1983

[2] Joachim Hackmann in der Computerwoche vom 26.3.2013

computerwoche.de/a/wo-startups-am-besten-gedeihen,2529511

[3] Interview im Kölner Stadt-Anzeiger

ksta.de/wirtschaft/bitkom-muenchen-und-berlin-sind-startup-hauptstaedte,15187248,20801330.html

[4] bitkom.org/73980_73972.aspx

Kai Völcker kai.voeckler.de